Steile Hänge, Täler, sanfte Hügel, Terrassen und spezifische Lagen der österreichischen Weinbaugebiete gehören zum sichtbaren Charme der heimischen Weinlandschaften. Versteckt unter den Böden liegen die Gesteine, die meist nicht sichtbar, aber von großer Bedeutung für die Winzer sind, da sie die Auswahl von Rebsorte und Weingartenarbeit maßgeblich beeinflussen.

Die Gesteine, die das Ausgangsmaterial der Böden bilden, aber auch die heutige Landschaft und unser Klima sind Produkte der erdgeschichtlichen Entwicklung. Sie ist Gegenstand der geologischen Forschung und darin begründete praktische Auswirkungen rücken die Geologie immer mehr ins allgemeine Bewusstsein, auch der Wein-Community. Die Gesteine bestimmen wie tief eine Rebe ihre Wurzeln ausstrecken kann, um Wasser zu finden, ob der Boden steinig, sandig oder lehmig ist, ob er zu heller oder dunkler Farbe neigt, ob er langfristig Wärme, Luft und Wasser speichern kann, ob aktive Tonminerale vorhanden sind, die den Austausch der anorganischen Nährstoffe beschleunigen und ob der Boden von Natur aus kalkfrei oder kalkhaltig ist.

Ein Bild zeigt die Geologische Übersicht Österreich
© ÖWM

Weingärten statt Meeresbuchten

Unterschiedlich harte Gesteine, der Verlauf von tektonischen Grenzflächen sowie großräumige Hebungen und Senkungen wirken sich auf das Landschaftsbild der Weinbaugebiete aus und begründen durch die jeweilige Höhenlage, Ausrichtung und Neigung das Relief der Lagen und damit das lokale Klima der Rieden. Dass und wo sich Österreich im nördlichen Weinbaugürtel der Erde befindet, geht schließlich auf plattentektonische Verschiebungen der Erdkruste und damit einhergehenden Veränderungen von Ozeanen und Kontinenten zurück. Diesen Verschiebungen ist auch die Entstehung von Gebirgen zu verdanken und dass die Niederungen im Osten des Landes heute nicht mehr von Meer erfüllt sind sondern vielfältigen Kulturlandschaften Platz bieten.
Während die großen Gesteinseinheiten Österreich im Wesentlichen der Länge nach durchstreichen, ziehen die Weinbaugebiete im Osten des Landes einen Bogen und treffen so nahezu auf alle geologischen Großeinheiten. Das macht die österreichischen Weinlandschaften so vielfältig und zugleich einzigartig und interessant.

Locker oder fest, das ist die Frage

Etwa 70 Prozent der heimischen Weingärten stehen auf Lockergesteins-Böden, etwa 30 Prozent auf Böden, die sich aus Festgesteinen entwickelt haben. Beide Gruppen umfassen nach Gefüge und Zusammensetzung der chemischen und mineralogischen Bestandteile sehr unterschiedliche Gesteine. Unter den Festgesteinen finden sich saure Granite, Gneise, Schiefer und Quarzite, basische Amphibolite, Serpentinite und Basalte, aber auch Marmore und Kalkstein, Konglomerate, Sandsteine und vulkanische Tuffe. Unter den Lockergesteinen dominieren der immer kalkige Löss, sandige Kiese und Schotter aus Flussterrassen sowie sandige und tonige Schluffe als Reste einer großen Seenlandschaft in Gefolge des Meeresrückzuges vor etwa 11 Millionen Jahren.

Das Bild Zeigt eine Terrasse in der Wachau
© ÖWM / Gregor Semrad
Autorin

Die Österreich Wein Marketing dankt Dr. Maria Heinrich, ehemalige Leiterin der Fachabteilung Rohstoffgeologie der Geologischen Bundesanstalt Wien, für ihren Beitrag „Übersicht zur Geologie von Österreich und wichtige Gesteinseigenschaften“.

Weitere Literatur

HARZHAUSER, M., DAXNER-HÖCK, G., KOLLMANN , H., KOVAR-EDER, J., RÖGL, F., SCHULTZ, O. & SUMMESBERGER, H.: 100 Schritte Erdgeschichte. Die Geschichte der Erde und des Lebens im Naturhistorischen Museum in Wien. – Naturhistorisches Museum Wien, Wien, 2004.

MURAWSKI, H. & MEYER, W.: Geologisches Wörterbuch. – 12. Aufl., Springer Spektrum, Berlin-Heidelberg, 2010.

SCHUSTER, R., DAURER, A., KRENMAYR, H.G., LINN ER, M., MANDL, G.W., PESTAL, G., REITNER, J. M.: Rocky Austria.
Geologie von Österreich - kurz und bunt. – Geol. B.-A., Wien, 2013.

VINX, R.: Gesteinsbestimmung im Gelände. – 3. Aufl., Spektrum Akademischer Verlag Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg, 2011.

WILSON, J.E.: Terroir The Role of Geology, Climate, and Culture in the Making of French Wines. – Octopus Publishing Group Ltd., Univ. of California Press, Los Angeles – London, 1998.

Spitz, Wachau, Niederösterreich
© ÖWM / Armin Faber

Landschaft und Gesteine

Das landschaftliche Bild Österreichs wird wesentlich von den großen geologischen Baueinheiten geprägt: Das Mittelgebirge des Wald- und Mühlviertels als Teil der Böhmischen Masse im Norden, das anschließende hügelige Alpenvorland mit den großen Tälern und die Becken im Osten, und schließlich die gebirgigen Alpen, die das Land über 500 Kilometer der Länge nach durchziehen.
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Schotter der Ur-Donau in Radlbrunn (Weinviertel)
© ÖWM/M. Heinrich 2012

Die wichtigsten geologischen Baueinheiten

Moldanubikum und Moravikum sind tiefe Anteile eines alten Gebirgszuges, der von Mitteleuropa über die Iberische Halbinsel bis in die Appalachen in Nordamerika reicht. Die beiden Einheiten bauen mit ihrem Südende das Waldviertel auf. Entwickelt hat sich das Gebirge im Laufe der sogenannten variszischen Gebirgsbildung vor etwa 360 bis 300 Millionen Jahren am Südrand des „Alten Europa“. 
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Geology
© M. Heinrich 2008

Gesteinsgruppen

In der Geologie werden drei große Gesteinsgruppen unterschieden: Erstarrungsgesteine oder Magmatite (treten als Tiefengesteine (Plutonite) oder als Ergussgesteinen (Vulkanite) auf), Ablagerungs- oder Sedimentgesteine und Umwandlungsgesteine oder Metamorphite.
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Spitz, Wachau, Niederösterreich
© ÖWM / Armin Faber

Gesteinszusammensetzungen

Minerale sind die Baustoffe der Gesteine. Die meisten Gesteine bestehen aus mehreren Mineralen wie Granit aus Feldspat, Quarz und Glimmer. Wenige Gesteine bestehen weitestgehend aus nur einem Mineral, wie zum Beispiel Kalkstein aus Kalzit oder Quarzit aus Quarz.
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© ÖWM / Armin Faber

Geologie der Weinbaugebiete

Die faszinierende Geologie der Weinbaugebiete Niederösterreich, BurgenlandSteiermark, Wien und dem restlichen Österreich.
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