Thermenregion
Weine mit Geschichte, Weine mit Zukunft

2.181 Hektar Reben lehnen sich an die Abhänge des Wienerwalds, vom Stadtrand Wiens entlang einer Hügelkette mit dem Anninger als höchster Erhebung bis südlich von Baden. Noch heute regiert im nördlichen Teil um Gumpoldskirchen der Weißwein mit Schwerpunkt auf den autochthonen Sorten Zierfandler (auch Spätrot genannt) und Rotgipfler, während im Süden der Rotwein mit den Sorten Sankt Laurent und Pinot Noir dominiert.

Weinbaufläche

2.181 ha

Wichtige Weinbauorte

Gumpoldskirchen, Traiskirchen, Pfaffstätten, Baden, Sooß, Bad Vöslau, Tattendorf

Gebiet & Wein

Schon vor mehr als 2000 Jahren wurden in der klimatisch begünstigten Region südlich von Wien Weinreben kultiviert. Römische Legionäre, die in Carnuntum und Vindobona stationiert waren, brachten Weinstöcke aus ihrer Heimat und Kenntnisse über die Weinerzeugung nach Pannonien. Der Name Thermenregion verweist auf die schwefelhaltigen heißen Quellen von Aquae (Baden). Im Mittelalter erlebte hier der Weinbau unter Federführung der Zisterziensermönche eine regelrechte Hochblüte. Die Anlage der Rebberge, aber auch der Charakter der Dörfer lassen deutlich den Einfluss aus dem burgundischen Mutterkloster Citeaux erkennen.

Die zisterziensischen Weinbauexperten hatten den Wert dieses außerordentlichen Terroirs sofort erkannt. Die Weinreben profitieren hier vom pannonischen Klimaeinfluss mit heißen Sommern und trockenen Herbsten sowie 1800 Sonnenstunden im Jahr. Ständige Luftbewegung lässt im Herbst die Trauben nach Tau oder Regen rasch abtrocknen.

Es überwiegen lehmige Böden aus feinkörnigen Ablagerungen. Hoher Grobanteil ist häufig, er geht auf verfestigte oder lockere Kiese und Sande mit hohem Kalkgehalt und vielen Resten von Muscheln, Schnecken und anderen Meeresbewohnern zurück. Schutthaltige Hangfußablagerungen helfen bei Entwässerung und Durchwärmung. Im Steinfeld bieten karge Schotterböden den Rotweinsorten ausgezeichnete Bedingungen.

Hausrecht haben die gebietstypischen – sonst kaum zu findenden – weißen Rebsorten Zierfandler (Spätrot) und Rotgipfler, die als Cuvée die legendäre Wein-Ehe Spätrot-Rotgipfler eingehen. Zur traditionellen Sortenvielfalt gehören aber auch der früher als Vöslauer bezeichnete Blaue Portugieser oder der Neuburger, ebenso moderne Weine aus der Burgunderfamilie, St. Laurent und Zweigelt, aber auch Merlot und Cabernet Sauvignon.

Rotweinzentren sind Bad Vöslau, Sooß, Tattendorf und Teesdorf, die klassischen Weißweine kommen aus Perchtoldsdorf, Gumpoldskirchen, Pfaffstätten, Baden, Guntramsdorf und Traiskirchen.

Natur und Kultur ermöglichen ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm: von einem Besuch des Freiguts Thallern des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz, eines der ältesten Weingüter Österreichs, über die Ku(ltu)rstadt Baden mit Theater, Operette, Wellness oder Traubenkur, bis zu Ausflügen entlang der Weinstraße zu einem der vielen gemütlichen Heurigen des Gebietes oder Wanderungen durch die Weinberge entlang der Wiener Hochquellwasserleitung.
 

Das Bild zeigt eine Landschaft in der Thermenregion
Das Bild zeigt eine Landschaft in der Thermenregion

Geologie

Das Weinbaugebiet Thermenregion erstreckt sich am Ostrand der Kalkalpen zum Wiener Becken. Nur ein geringer Teil der Weingärten liegt aber direkt auf festem Kalk- und Dolomitgestein oder auf den Sandsteinen und Konglomeraten der Gosau-Gruppe. Die meisten Reben stehen auf Ablagerungen des einstigen Meeres und des Pannonsees im Wiener Becken oder auf kaltzeitlichen Flussschottern in der Ebene des Steinfeldes.

Am Beckenrand dominieren Sande, Schotter, Sandsteine, Konglomerate und Brekzien, die aus Gesteinsmaterial der Kalkalpen und Flysch zusammengesetzt sind und von Flüssen aus den aufsteigenden Alpen geliefert wurden. Sie beherbergen berühmte Fundstellen von Fossilen, wie etwa die Gainfarner Sande. In ihnen wurde neben Muscheln, Schnecken und Korallen ein ganzes, etwa 14 Millionen Jahre altes Seekuhskelett gefunden. Beckenwärts stehen die Weingärten vielfach auf feinkörnigen Tonen, Mergeln, Hangschutt oder Kolluvium, darauf entwickeln sich lehmige Böden vielfach mit hohem Kalkgehalt.

Ganz im Südosten finden sich einige Weingärten auf der anderen Seite des Wiener Beckens auf kristallinen Schiefern und Karbonaten des Ostalpins, das hier im Rosaliengebirge aufragt.

Thermenregion, © ÖWM
Das Bild zeigt eine gebratene Pekingente, Rotwein und Weißwein
© ÖWM/Blickwerk Fotografie

Kulinarik-Tipp

Weine aus der Thermenregion gelten als exzellente Speisenbegleiter. Als „Solo-Player“ starke Charaktere, stellen sich Rotgipfler, Zierfandler, weiße Burgundersorten sowie Pinot Noir und St. Laurent bei richtigem Einsatz im kulinarischen Zusammenspiel ganz in den Dienst der jeweiligen Speise. Viele Spargelgerichte etwa verlangen aufgrund ihrer feinen Bitternoten nach Weißweinen wie jenen aus der Thermenregion: mit reifer Säure und mittlerem Körper. Auch herzhaften österreichischen Klassikern wie Wiener Schnitzel oder Kalbsbeuschel sowie fernöstlichen Köstlichkeiten wie Tandoori Chicken oder glasiertem Schweinebauch verleihen diese Weine den letzten Schliff, während Pinot Noir und Sankt Laurent speziell bei herrlich mürbem Rindfleisch oder dunklerem Geflügel alle Trümpfe in der Hand hält – egal ob zum Martinigansl oder zur Peking Ente.

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Kartenmaterial

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