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Die rotweißrote Banderole für österreichischen Qualitätswein gilt als eines der besten Marketinginstrumente der Weinwelt. Das Nationale Weinkomitee hat nun einen Vorschlag erarbeitet, um neue, erfolgreiche Weinstile in das Qualitätswein-System zu integrieren.

Strenge Vorgaben für Qualitätswein

Seit Jahrzehnten hat das Weinland Österreich eines der weltweit strengsten Systeme zur Qualitätssicherung. Welche Weine Qualitätsweine werden dürfen, wird amtlich sehr genau überprüft: sowohl chemisch-analytisch im Labor als auch sensorisch durch eine Verkostungsprüfung. Werden beide Überprüfungen bestanden, erhält der Wein eine staatliche Prüfnummer und darf die rotweißrote Banderole auf dem Flaschenkopf tragen. Durch ihren einzigartigen Wiedererkennungseffekt gilt die Banderole als eines der besten Marketinginstrumente in der Weinwelt: Auf den ersten Blick ist für Konsument*innen erkennbar, woher der Wein kommt und welche Art von Wein sie erwarten können.

Der österreichische Qualitätswein und die Banderole stehen auch im Zentrum der Marketingstrategie der ÖWM (Österreich Wein Marketing GmbH). Bei all ihren nationalen und internationalen Maßnahmen – beispielsweise Kampagnen, Veranstaltungen oder Kooperationen – legt sie einen starken Fokus auf heimische Qualitätsweine und auf die Kommunikation ihres Erkennungsmerkmals: der rotweißroten Banderole.

Auffällige Export-Entwicklung

In letzter Zeit macht sich bei Österreichs Weinexporten aber eine spezielle Entwicklung bemerkbar: 20 % des gesamten Export-Umsatzes entfallen auf Nicht-Qualitätsweine in Flaschen, die aber einen höheren Durchschnittspreis erzielen als die Qualitätsweine in Flaschen.

In der Detailanalyse zeigt sich, dass insbesondere zwei Weinstile in diese 20 % fallen: Einerseits Weine, die ihren Fokus weniger auf eine präzise Fruchtigkeit legen, sondern stärker auf die Darstellung ihrer Herkunft durch minimalen Eingriff bei der Vinifikation. Sie sind international besonders erfolgreich und können daher unter dem Sammelbegriff „Weine mit internationaler Stilistik“ zusammengefasst werden. Andererseits fallen in die 20 % auch Weine mit deutlich alternativen Ausbauarten, etwa Orange Weine, also Weißweine mit längerer Maischestandzeit.

Erfolgreiche Weinstile ohne Banderole

Weine aus beiden Stilen bestehen oftmals nicht die sensorische Qualitätswein-Prüfung und werden folglich als Landwein oder als „Wein aus Österreich“ klassifiziert. Beide Weinstile haben in den letzten Jahren jedoch immer stärker Fuß gefasst – bei Winzer*innen und Konsument*innen. Im Inland ist der Konsum dieser Stile noch eher verhalten, wenngleich sich in urbanen Restaurants und Weinbars ein Trend zu alternativen, weniger fruchtbetonten Stilen etabliert hat. International finden diese Stile großen Zuspruch bei weinaffinen, zahlungskräftigen und meinungsbildenden Zielgruppen und tragen wesentlich dazu bei, dass Österreich als innovatives und hochwertiges Weinland wahrgenommen wird. Das bestätigt auch die qualitative internationale Marktforschung, die die ÖWM 2020 und 2021 in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und den USA durchgeführt hat.

Nationales Weinkomitee und ÖWM arbeiten an Lösungen

„Die Analyse der ÖWM hat gezeigt, dass ein stetig wachsender Anteil unserer Exporte Weinstile umfasst, die nicht ins Qualitätswein-Schema fallen. Wir müssen daher sicherstellen, dass unser Qualitätswein-System zukunftssicher ist – vor allem auch, da unsere Exporte seit Jahren steigen“, kommentiert Chris Yorke, Geschäftsführer der ÖWM. „Die ÖWM hat dieses Thema deshalb ins Nationale Weinkomitee gebracht. Wenn wir nicht agieren, besteht die Gefahr, dass wir mehr und mehr international angesehene Winzer*innen, die diese Weinstile erzeugen, aus unserem System verlieren.“

Die Detailanalyse über die Entwicklung bei den Weinexporten hat die ÖWM Ende 2021 dem Nationalen Weinkomitee dargelegt. Dieses hat in der Folge einen eigenen Ausschuss mit der Thematik befasst. Bei seiner letzten Sitzung am 17. Oktober hat sich das Komitee beiden Themen im Detail gewidmet.

„Weine mit internationaler Stilistik“: Fach-Prüfungskommission geplant

Weltweit und in Österreich hat sich in den vergangenen Jahren ein Trend zu Weinen entwickelt, die versuchen, ihre Herkunft und Lage mit möglichst wenig Intervention (z. B. durch Spontangärung) oder z. B. etwas Maischestandzeit herauszuarbeiten. Das Ergebnis sind Weine, deren Aromenprofil würziger und weniger fruchtbetont ist. Sie kommen speziell international gut an, schaffen es aber oft nicht durch die sensorische Verkostungsprüfung, weil ihre Stilistik nicht vollumfänglich mit den Vorgaben der klassischen Prüfkommission kompatibel ist. Sie werden somit nicht als Qualitätswein deklariert, erhalten nicht die Banderole und dürfen auch keine engere Herkunft als „Österreich“ oder die jeweilige Landwein-Region angeben.

Als Lösungsvorschlag hat sich das Nationale Weinkomitee bei der Sitzung am 17. Oktober darauf geeinigt, eine eigene Fach-Prüfungskommission ergänzend zur Standard-Prüfungskommission einzusetzen. Wenn ein Wein mit internationaler Stilistik die reguläre Prüfnummernverkostung nicht besteht, kann der*die Winzer*in ihn bei der vom Bundesamt speziell eingerichteten Fachkommission einreichen. Diese amtlichen Koster*innen sind auf solche Weine speziell geschult und erstellen ein Gegengutachten, sofern der Wein den qualitativen Vorgaben entspricht und keinen Weinfehler aufweist.

Parallel dazu soll die Standard-Verkostungsprüfung weiterentwickelt werden, sodass diese auf langfristige Marktveränderungen eingehen kann. Dabei können Erkenntnisse aus der Fachkommission einfließen.

Ziel ist es, dass alle Weine, die ihre Herkunft widerspiegeln und qualitativ und analytisch einwandfrei sind, unter der Banderole Platz finden sollen.

„Weine mit alternativer Stilistik“: Überlegungen zu Herkunftsangabe laufen

Bei der zweiten Gruppe handelt es sich um Weine, die noch stärker alternativ ausgebaut und deutlicher von ihrer Machart geprägt werden: etwa durch eine lange Maischestandzeit bei Weißweinen oder keine Filtration, was in einer merklichen Trübung des Weins resultiert. Auch diese Weine finden aktuell im österreichischen Qualitätswein-System keinen Platz.

„Auch diese Weine fallen in die Kategorie der Nicht-Qualitätsweine, die 20 % unseres Exportumsatzes ausmachen. Und auch sie dürfen keine Banderole tragen und ihre Herkunft nicht angeben“, verdeutlicht Chris Yorke. „Wir müssen daher überlegen, ob bzw. wie wir diese Weine in unser Qualitätswein- und Herkunftssystem integrieren können. Gleichzeitig ist uns auch bewusst, dass dieses Thema sehr komplex ist, da die Einordnung und Abgrenzung gegenüber anderen Weinstilen sehr schwierig ist.“

Eine Herausforderung dabei ist, dass aus Sicht von Konsument*innen die Banderole eine gewisse Wiedererkennung der Weine untereinander gewährleisten muss. Geht die Bandbreite der Weinstile unter ein und derselben Herkunft zu stark auseinander, verliert die Angabe der Herkunft ihre Aussagekraft. Trotzdem soll es möglich sein, dass Weine dieser Machart angeben dürfen, wo sie entstanden sind. Dafür müsste im Weingesetz eine eigene Kategorie geschaffen werden, mit der auf dem Etikett klar erkennbar wird, dass es sich um einen Qualitätswein mit alternativer Stilistik handelt.

Denkbar wäre ein Ansatz vergleichbar zu den Prädikatsweinen: Dort erkennen Konsument*innen aufgrund der Kategorieangabe am Etikett (z. B. Auslese, Trockenbeerenauslese) sofort, dass es sich um einen österreichischen Qualitätswein mit anderer Typizität handelt.

Fazit

Ziel der genannten umfassenden Überlegungen des Nationalen Weinkomitees ist es, dass möglichst viele Weine, die das Image Österreichs als hochwertiges und innovatives Weinland stärken, im System der Banderole Platz finden können. Ein zentrales Augenmerk liegt dabei auf der Beibehaltung der höchsten Qualitätsstandards, für die das Weinland Österreich im In- und Ausland bekannt und geschätzt ist. Gleichzeitig muss für Konsument*innen klar erkennbar sein, welcher Qualitätswein-Stil sie erwartet.

Als nächsten Schritt wird das Bundesamt für Weinbau die Weichen dafür stellen, dass die Fach-Prüfungskommission für Weine mit sogenannter internationaler Stilistik implementiert und der weitere Prozess umgesetzt werden kann. Dazu sollen von den Regionalen Weinkomitees speziell geeignete Fachverkoster*innen vorgeschlagen werden.

ÖSTERREICH WEIN MARKETING GMBH


GESCHÄFTSFÜHRUNG

Chris Yorke
 

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Leitung Kommunikation

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