Jahrgang 2017 überzeugt auf voller Linie

Im Gegensatz zu den meisten großen Weinnationen Europas, die die niedrigste Weinproduktion seit vielen Jahren zu beklagen hatten, konnte Österreich 2017 eine Lese einfahren, die mit 2,5 Mio. hl rund 25 % über dem fünfjährigen Durchschnitt liegt. Noch erfreulicher ist freilich die exzellente Güte des aktuellen Jahrgangs. Somit ist eingetreten, was einander in den letzten Weinjahren auszuschließen schien: ausgezeichnete Qualität bei guter Menge.

Ein Bild zeigt Flaschenhälse mit der Banderole auf der Kapsel, © ÖWM/Bernhard Schramm
© ÖWM/Bernhard Schramm

Erfreuliches Ergebnis trotz schwierigen Wetters

Dieses überaus positive Resümee war nach einigen Wetterkapriolen, die der österreichischen Winzerschaft alles abverlangten, nicht unbedingt zu erwarten. Dem kältesten Jänner der letzten 30 Jahre folgte der wärmste März seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen. Eine sehr frühzeitige Rebblüte war die Folge. Mit dem verheerenden Spätfrost 2016 noch in Erinnerung, kam es auch 2017 zu einem kräftigen Wintereinbruch im April und teilweise im Mai. Diese Kälteperioden hielten aber glücklicherweise nicht lange an. Zudem hatten die österreichischen Weinbauern rechtzeitig alle denkbaren Gegenmaßnahmen ergriffen, sodass es diesmal kaum zu Frostschäden kam.

Nach einem wechselhaften Mai setzte bereits im Juni die erste Hitzewelle ein, der im Juli und August vier weitere fast nahtlos folgten. Vom südlichen Burgenland bis ins Weinviertel kämpfte man mit einer lang andauernden Trockenheit. Vor allem die Junganlagen und Terrassenweingärten, die nicht bewässert werden konnten, waren erheblich betroffen. Daraus resultierten schließlich streckenweise Ernteeinbußen, die beispielsweise im Weinviertel sogar ein Minus im Vergleich zu einer Durchschnittsernte mit sich brachten.

Im September drehte allerdings das Wetter, der Monat verlief recht kühl und feucht und brachte sogar eine regenreiche Woche mit sich, die die Winzer anfangs verstimmte. Ebendieser Niederschlag und die kühlen Nachttemperaturen des Septembers und Oktobers trugen aber wesentlich zum hohen Niveau und der guten Quantität des Jahrgangs 2017 bei. Unter diesen Voraussetzungen begann die Hauptlese um zwei Wochen früher als üblich und wurde während der nächsten fünf Wochen bei ausgesprochen schönem Herbstwetter fortgesetzt. Der richtige Erntezeitpunkt konnte ohne Hast gewählt werden, wodurch sehr reife, völlig gesunde Trauben ihren Weg in die Keller fanden.

Kräftig und fruchtbetont: die Weißweine 2017

Die Niederschläge im September und die relativ große Spanne zwischen den herbstlichen Tages- und Nachttemperaturen beeinflussten die Aromenbildung offenbar sehr positiv. Nach den ersten Verkostungen kann mit Zufriedenheit festgestellt werden, dass sich der Hitzestress des Sommers keineswegs in den Jungweinen niedergeschlagen hat. Die Weißweine zeigen sich lebendig, fruchtbetont und sortentypisch. Der Säuregehalt der niederösterreichischen Leitsorte Grüner Veltliner ist zwar analytisch eher moderat, dies macht sich aber sensorisch kaum bemerkbar. Generell sind die Grünen Veltliner von einer tiefen Würze geprägt. Die Rieslinge zeichnen sich bei kräftiger Statur durch eine rassige Säurestruktur aus, die sie für eine langsame Entwicklung prädestiniert. Die Sauvignons besitzen trotz der hohen Reife des Traubenmaterials die begehrten Sortenattribute, was sich auch für Weißburgunder und Chardonnay behaupten lässt. Zwei Sortenspezialitäten sind so gut wie kaum zuvor ausgefallen: der seltene Rote Veltliner und der immer noch im Trend liegende Gelbe Muskateller. Insgesamt kann von einer ausgezeichneten Weißweinqualität ausgegangen werden, die sich am ehesten mit einer kräftigeren Ausgabe des 2013ers, in manchen Gebieten mit 2007 oder 2006 vergleichen lässt.

Exzellentes Jahr für Rotweine

In den burgenländischen Rotweinzentren und den roten Enklaven Niederösterreichs herrscht aufgrund der tollen Qualität des 2017er-Rotweins geradezu Euphorie. Hohe Traubenreife führte zu tiefen, dunkelbeerigen Aromen und ausgereiften, samtigen Tanninen. Die Weine zeigen sich bereits jetzt harmonisch und mit vergnüglichem Trinkfluss. Dieses erfreuliche Fazit gilt für alle Rotweingebiete und Rebsorten: Die launischen Diven Sankt Laurent und Pinot Noir fielen ebenso wie die später reifenden französischen Globetrotter Cabernet, Merlot und Syrah prächtig aus und lassen – wie auch Blaufränkisch und Zweigelt – dichte, vitale und feingliedrige Weine erwarten. Allgemein wird der vielversprechende Rotweinjahrgang 2017 gerne mit 2015 und 2009 verglichen, wobei er möglicherweise sogar ein wenig mehr Fruchtaromen mit sich bringen könnte.

Bei den Prädikatsweinen sorgte die Botrytis 2017 für überzeugende edelsüße Spezialitäten in größerer Menge als 2016. Eiswein konnte hingegen nur sehr vereinzelt gelesen werden.

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