Ernte 2020: guter Weinjahrgang, etwas spätere Lese

(Stand 4.9. lt. Pressekonferenz Weinbauverband, aktualisiert am 30.09.2020)

„Österreichs Weinbäuerinnen und Weinbauern sind bereits intensiv mit der Weinlese beschäftigt. Nach einem wirtschaftlich nicht leichten Jahr 2020 freuen sie sich auf einen guten Weinjahrgang“, stellte Österreichs Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager zum Weinjahrgang 2020 fest.

Ein Bild zeigt eine reife Traube Grüner Veltliner am Stock.
Die Hauptlese wird in den meisten Gebieten Ende September, Anfang Oktober stattfinden. © ÖWM/Robert Herbst

Er ergänzte: „Gerade im schwierigen Corona-Jahr appellieren wir vor allem an die von der Krise profitierenden Lieferanten und an den Lebensmittelhandel, korrekte und kostendeckende Traubenpreise zu bezahlen. Gerade heuer ist ein nationaler Schulterschluss notwendig, um den gesamten Sektor gemeinsam aus der Krise herauszuführen. Aufgrund des Witterungsverlaufes findet die Lese etwas später statt als in den Jahren davor. Ähnlich der vorjährigen Ernte wird heuer eine leicht unterdurchschnittliche Weinmenge von 2,3 Millionen Hektoliter erwartet.“

Punktuell Extremniederschläge & Hagel

Einige sehr kalte Nächte führten gebietsweise zu einem etwas verzögerten Austrieb der Reben. Danach gab es keine Temperaturen mehr unter dem Gefrierpunkt. Der April zeigte dann eine signifikant hohe Anzahl an Sonnenscheinstunden, weswegen sich die Reben zügig entwickeln konnten. Die Blüte war in den meisten Gebieten und bei den meisten Sorten gegen Mitte Juni abgeschlossen.

Nach einem sehr trockenen Winter und Frühjahr folgten nach der Blüte endlich nennenswerte Niederschläge. Die Sommermonate brachten zwar viele heiße Tage, die aber auch immer wieder durch Niederschläge unterbrochen wurden. Die Winzer mussten hier sehr aufmerksam sein, da die Gefahr von Pilzkrankheiten allgegenwärtig war.

Punktuell kam es immer wieder auch zu Extremniederschlagsereignissen in Form von Starkregen und Hagel. Leider gab es auch während der Reifeperiode lokale Hagelereignisse, zuletzt zum Beispiel im Donauraum. Aufgrund der Niederschläge hatten die Reben aber im Großen und Ganzen eine stressfreie Entwicklung, und bei aufmerksamer Pflege ist großteils gesundes Traubenmaterial zu erwarten. (Anm.: aktualisiert am 30.09.2020: „großteils gesundes“ statt „sehr gesundes“)

Ein Bild zeigt einen Winzer, der per Hand Wein liest.
Ein Bild zeigt rote und weiße Trauben direkt nach der Ernte.

Spätere Reifeentwicklung

Im Vergleich zu den sehr frühen Weinjahren der letzten Jahre gibt es heuer eine etwas spätere Reifeentwicklung, die aber eigentlich einem normalen Reifezeitpunkt entspricht. Durch die Verschiebung der Reife in diesen Zeitraum mit bereits kühleren Nächten verspricht der Jahrgang neben hohen Zuckerkonzentrationen auch ein ausreichendes Maß an Säure. Dadurch können heuer sehr fruchtige und harmonische Weine erwartet werden, die ähnlich jenen aus dem Jahrgang 2019 langlebig und lagerfähig sind.

Leicht unterdurchschnittliche Ernte

Aufgrund der Schätzungen der einzelnen Weinbaugebiete kann heuer von einer leicht unter dem Durchschnitt liegenden Weinernte ausgegangen werden. Durch den verzögerten Austrieb sind einige Rebaugen ausgeblieben, und in manchen Weingärten konnte auch eine Verrieselung der Trauben beobachtet werden.

Aufgrund der Niederschläge war es notwendig, durch Pflegemaßnahmen eine lockere Laubwand zu gestalten, um eine luftige Traubenzone zu erreichen. Dadurch konnte fast überall sehr gesundes Traubenmaterial sichergestellt werden. Die Winzer hoffen nun auf einen trockenen, warmen Herbst, um vollreife und harmonische Weine einbringen zu können.

Lesebeginn ab erster Septemberhälfte

Abgesehen von Frühlesen zur Traubensaft- und Sturmproduktion startete die Lese rund um den Neusiedler See in der ersten Septemberhälfte, in vielen anderen Gebieten Mitte September. Die Hauptlese wird in den meisten Gebieten Ende September, Anfang Oktober stattfinden.

Update: warmer September mit kühl-feuchtem Ende

Der September zeigte laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zwei Gesichter: Zum einen gab es, speziell in Ostösterreich, zwei- bis dreimal so viele Sommertage wie im vieljährigen Durchschnitt. Gemeint sind damit Tage ab 25° Celsius. Zudem brachte die Witterung österreichweit 15 % mehr Sonnenstunden als in einem durchschnittlichen September. Zugleich fiel im September mit einem Kaltlufteinbruch Ende des Monats aber auch 22 % mehr Niederschlag als im Durchschnitt.

Österreichs Winzer waren somit in den Weingärten gefordert, um Pflanzen und Trauben gesund zu halten. Mancherorts wurde die Ernte bestimmter Sorten sicherheitshalber vorgezogen, um das Traubenmaterial unbeschadet in den Keller zu bringen. Für die nächsten Wochen hoffen die Winzer nun auf stabiles, trockenes Herbstwetter.

Facts - Weinjahrgang 2020
  • Großteils gesundes, vollreifes Traubenmaterial zu erwarten (Anm.: aktualisiert am 30.09.2020: „Großteils gesundes“ statt „Fast überall sehr gesundes“)
  • Sehr fruchtige und harmonische Weine erwartet
Vegetationsverlauf:
  • Gebietsweise verzögerter Austriebszeitpunkt; keine Spätfrostschäden
  • Winter & Frühjahr sehr trocken, nennenswerte Niederschläge erst nach der Blüte; teilweise Traubenverrieselung
  • Heiße Sommertage durch Niederschläge unterbrochen; Pilzgefahr größtenteils gebannt
  • Punktuell Extremniederschlag und Hagelschäden
  • Überdurchschnittlich warmer September mit kühl-feuchtem Ende (Anm.: ergänzt am 30.09.2020)

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