Das Weinjahr und der Jahrgang 2000

Die Weinernte 2000 lag mit 2.338.400 hl um etwa 3% unter dem langjährigen Durchschnitt von 2,4 Mio. hl bzw. um 17% (465.000 hl) unter dem Vorjahresergebnis. Grund für diesen Rückgang war der Witterungsverlauf mit hohen Temperaturen, viel Sonne und Trockenheit. Traubengröße und Mostausbeute waren dementsprechend gering. Die Weinlese konnte somit in vielen Regionen um bis zu drei Wochen vorverlegt werden. Von der Gesamternte entfielen 1.664.000 hl (71%) auf Weißwein und 674.500 hl (29%) auf Rot- und Roséwein.

Ernte, Copyright ÖWM / Komitee Kamptal
Ernte © ÖWM / Komitee Kamptal

Nach einem recht nassen Winter, der keinerlei härtere Frostphasen aufwies und in einem niederschlagsreichen März seinen Abschluß fand, waren die Böden der Weingärten reichlich mit Feuchtigkeit versorgt. Ein unglaublich warmer und sonniger Frühling setzte ein, der sich über den gesamten Mai und Juni hinzog - diese beiden Monate waren die wärmsten seit rund zweihundert Jahren. Der Frühsommer brachte auch extreme Trockenheit mit sich, lediglich die Steiermark war etwas begünstigt. Die Blüte verlief bereits Mitte Mai völlig unproblematisch. Ein eher kühler und verregneter Juli sorgte dann endlich für die ersehnten Niederschläge. Die im August neuerlich einsetzende große Hitze, sorgte für einen Reifevorsprung von rund drei Wochen. Die Verfärbung der Trauben bei den blauen Rebsorten im Burgenland begann schon Anfang August! In den Hitzespitzen litten nicht nur junge Anpflanzungen, sondern generell die auf wasserdurchlässigen Böden gepflanzten Reben. Im September setzte sich das prachtvolle Spätsommerwetter im Großen und Ganzen fort. Erst in der zweiten Oktoberhälfte folgte eine unbeständige und nasse Phase, die in Verbindung mit (zu) warmen Nächten in exponierten Gebieten, wie beispielsweise der Wachau, plötzlich auch für einigen Botrytisdruck sorgte.

Die Rotweinlese begann so früh wie noch nie! Es stellte sich die Frage, ob die aus solch ungewohnt überreifem Traubengut gewonnenen Säfte nicht vielleicht zu marmeladig und fruchtarm ausfallen würden. Derartige Befürchtungen haben sich aber zum Glück in keiner Weise bewahrheitet. Sie erschienen, soweit man das in diesem frühen Stadium bereits voraussagen kann, deutlich massiver und konzentrierter als die an sich ohnehin schon vollen und charmanten 99er und besitzen wahrscheinlich ebensoviel Tannin und Rückgrat wie die langsam entwickelnden 97er, ohne aber deren Härte und Strenge zu besitzen; insgesamt verbinden die 2000er Rotweine also gewissermaßen die Vorzüge der 97er und 99er und ergeben damit ein überlegenes Ganzes.

Auch bei den Weißweinen verblüfft das kontinuierlich hohe Niveau, das sich quer durch alle Weinbaugebiete und Rebsorten zieht. Bei Veltliner und Riesling liegt die Säure im mittleren bis unteren Bereich, ohne daß sich dies im Geschmack in irgendeiner Weise störend auswirken würde. Der weiße Jahrgang 2000 hat zwar nicht den Fruchtcharme und Extrakt des 99ers, aber auch nicht den Charakter eines ausgesprochenen Hitzejahrganges, da der Frühling und nicht der Sommer extrem war, und die ausgebildeten Trauben unter relativ üblichen und günstigen Bedingungen heranreiften.

Auch die steirischen Weine sind durch hohe Reife und immer noch expressive Frucht sehr harmonisch. Dies trifft für alle Rebsorten, vom Welschriesling bis zum Sauvignon, zu.
Bei den Süßweinen läßt sich zunächst einmal feststellen, daß aufgrund der durchwegs milden Witterung bis Mitte Dezember Eisweine nur in äußerst geringen Quantitäten möglich waren. Durch das zögerliche Auftreten der Botrytis sind Prädikatsweine überhaupt in eher geringen Mengen geerntet worden.
Das runde und cremige Erscheinungsbild und die dezente Säurestruktur der Weißweine sowie die südlich-ausgereifte, tanninreiche Art der Rotweine lassen erhoffen, daß die österreichischen Topprodukte aus diesem Jahr auch auf den Exportmärkten für Furore sorgen werden.