Ein Frühling für den Wein

Eine ganze Reihe erstklassiger Weinpräsentationen und Veranstaltungen rund um den Wein kulminiert in den österreichischen Anbaugebieten in den Monaten Mai und Juni in einem wahren Weingipfel, der für jeden Liebhaber österreichischen Weins reizvolle Höhepunkte setzen sollte. Wenn Sie mehr Informationen zu Veranstaltungen im Weinland wünschen, dann konsultieren sie bitte unseren Weinkalender.

Frühling im Weingarten
Frühling im Weingarten, © ÖWM / Komitee Kamptal

Der besondere Coup dieses Gipfeltreffens liegt darin begründet, dass der brandaktuelle Jahrgang 2000 ein ebenso ungewöhnlicher wie vorzüglicher ist: an südliche Gefilde erinnernde Hitzeperioden ließen die Reben schon sehr früh reifen und führten zu den besten Rotweinen seit Menschengedenken, die bisher nicht gekannte Dichte mit weichen Gerbstoffen und apartem Fruchtschmelz vereinen. Auch die in ihrer Mehrheit ebenfalls sehr mächtigen und ausgereiften Weißweine können bei eher milder Säurestruktur durch dezente Frucht und seidige Eleganz gefallen, wobei der Charakter der einzelnen Rebsorten stets gewahrt wird. Über all der 2000er Euphorie sollte man aber nicht auf den ausgezeichneten Jahrgang 1999 vergessen, der vielfach noch präsentiert wird und sehr schöne, etwas kühler und blumiger wirkende Rote sowie besonders fruchttiefe und rassige Weißweine - diese sind den 2000ern sicherlich mehr oder weniger ebenbürtig - hervorgebracht hat; in Österreichs Süßwein-Hochburgen, rund um den Neusiedlersee oder in der Thermenregion, wird man auch noch den einen oder anderen Dessertwein aus dem Jahrgang 1998 vorfinden, der für süße Leckereien in größerer Menge prädestiniert war.

Burgenland

Alle drei beschriebenen Weinstile konnte man bei einem traditionellen Auftakt des Weinfrühlings genießen, der Schatztruhe Rust, die vom 20. bis 23. April 2001 in der alten Freistadt stattfand, deren historischer, sorgsam renovierter Kern zur Gänze zum Welt-Kulturerbe erklärt wurde. Diese sehr professionelle Veranstaltung, in deren Rahmen 26 Weinbauern ihre Kellertüren geöffnet hatten, zeichnete sich auch durch ihre angenehmen Rahmenbedingungen, wie ein günstiges Shuttleservice von und nach Wien sowie ein gratis angebotenes Familienprogramm, aus.

Rund sechs Wochen später, vom 7. bis 9. Juni 2001, können sich Weinbegeisterte im prachtvollen Ambiente von Schloss Esterhazy einen umfassenden Überblick über die aktuellen Weinjahrgänge der burgenländischen Herkunftsgebiete verschaffen, denn anlässlich der Wein Burgenland stellen die allerbesten burgenländischen Produzenten ihre neuesten Kreationen vor. Wegen der verschiedenen Klimazonen, die sich an den sanften Abhängen des Leithagebirges oder in den steppenartigen Gebieten des Seewinkels ergeben, spannt sich der Bogen von substanziellen Weißweinen über mächtige Rotweine bis zu den hohen Prädikatsweinen, die ihre Entstehung dem Botrytis Cinerea-Pilz verdanken, der wiederum durch die große Wasserfläche des Neusiedlersees begünstigt wird. Die mittlerweile auch als Blaufränkischland bekannt gewordenen mittelburgenländischen Herkünfte rund um Horitschon und Deutschkreutz setzen wiederum auf kernige und fruchtbetonte Rotweine, was auch für den äußersten burgenländischen Süden rund um den Eisenberg gilt. Eingeschworene Rotweinfans sollten sich allenfalls vom 1. bis 3. Juni 2001 gleich in die Höhle des Löwen wagen und bei der Horitschoner Pfingstweinkost testen, was die Spezialisten des Blaufränkischlandes aus dem sehr guten Rotweinjahr 1999 und dem fulminanten Jahrgang 2000 fabriziert haben.

Steiermark

Das Wochenende vom 23. und 24. Juni 2001 muß man einfach im Steirischen Weinland verbringen! Wieder haben zahlreiche Weinbauern die Anregung der Marktgemeinschaft Steirischer Wein aufgenommen und öffnen ihre Kellertüren. Aber nicht nur das - unerschöpflich scheint die Kreativität beim Planen, was die großen und kleinen Besucher interessieren und erfreuen könnte. Und so kann diesmal aufgewartet werden mit Verkostungen des begehrten Jahrgangs 2000 und kulinarischen Köstlichkeiten, mit Rock, Jazz und steirischen Klängen, mit Ausstellungen und Ausflügen in die Weingärten, Sonnwendfeuer und vielem mehr. Um noch einige originelle Programmpunkte hervorzuheben: Oldtimerfahrten entlang der Weinstraße, Traktor-Nostalgiefahren, Video und Diavorträge zum Thema Wein, Maultrommel-Treffen unter dem Maulbeerbaum... Für die Kinder gibt's überall Überraschungen, Spiel und Spaß!

Die steirischen Weißweine haben in den letzten Jahren durch ihre unverwechselbare Fruchtbrillanz und Lebendigkeit die Herzen der Wiener und westösterreichischen Weinfreunde im Sturm erobert; sie boomen vor allem auch in der Gastronomie derart stark, dass die zahlreichen Auspflanzungen der letzten Jahre kaum ins Gewicht fallen. Den besten Überblick über die für steirische Verhältnisse ungewöhnlich kraftvollen und in der Säure eher dezenten Gewächse kann sich der Steiermark-orientierte Weinfreund wohl anlässlich einer Verkostungstour im bukolischen steirischen Weinland verschaffen. So etwa bei der alljährlichen Präsentation der Winzer der "Steirischen Klassik"-Vereinigung, der viele steirische Spitzenbetriebe angehören. Am 12. Mai ist Schloss Ehrenhausen Standort dieser Veranstaltung, barocker Mittelpunkt eines schon südliche Anmut verströmenden Städtchens im Herzen des südsteirischen Weinlandes.

Erzherzog Johann, der fortschrittliche Landesregent und vielgerühmte steirische "Schutzpatron", war um die Modernisierung der steirischen Landwirtschaft sehr erfolgreich bemüht: so ließ er im heute slowenischen Marburg (Maribor) die Weinbauschule und Forschungsanstalt Pickern gründen und zu Versuchszwecken wertvolle französische Reben importieren. Erraten: bei den damaligen französischen Newcomern handelte es sich um die nach rund 130 Jahren als ursteirisch empfundenen weißen Trendsetter Morillon (Chardonnay) und Sauvignon blanc.
Diesen überaus segensreichen weinbaulichen Bestrebungen des Landesherrn ist die ab 19. Mai 2001 im weststeirischen Schloss Stainz stattfindende Ausstellung "Erzherzog Johann und der Wein" gewidmet.

Am Fuß der Koralpe befinden sich auch die bedeutendsten mit der Blauen Wildbacher-Rebe bestockten Weinberge, die uns einen der originellsten sommerlichen Durstlöscher überhaupt spenden, den prickelnd-frischen Schilcher, der ohne Übertreibung als individuellster Roséwein der Weinwelt bezeichnet werden kann. Die hohe Reife des letzten Jahrganges hat zweifellos überaus kräftige und ausgewogene Exemplare hervorgebracht, dennoch müssen Schilcher-Aficionados nicht bangen, die landesübliche Säure ist dennoch in ordentlicher Dosis vorhanden. Die Trilogie der steirischen Weinfeste komplettiert schließlich am 26. Mai 2001 das auf Schloss Trautenburg stattfindende Weinkulinarium, bei dem in äußerst stimmungsvollem Ambiente die steirischen Landessieger und die für den Österreichischen Weinsalon auserwählten steirischen Weine mit entsprechenden Schmankerln kredenzt werden.
Wenn man nicht gerade den zuvor erwähnten steirischen Kulinarien und Weinpräsentationen einen Besuch abstatten möchte, ist die Metropole Wien - die einzige europäische Kapitale, die eine wirklich stattliche Weinbaufläche aufweist - der beste Ausgangspunkt für eine Rundreise zu den österreichischen Weinbaugebieten.

Wien

Wer Wien mit dem Wein assoziiert, denkt vorwiegend an die dem heutigen 19. Bezirk angehörenden Weinorte, wie Grinzing, Nussdorf oder Sievering, vielleicht auch noch an die rustikalen Dörfer am Fuße des Bisambergs, wie Stammersdorf oder Strebersdorf. Nur den im Süden Wiens Beheimateten wird in der Regel geläufig sein, dass so mancher gute Wiener Tropfen dort, an der Grenze zum niederösterreichischen Weinbaugebiet Thermenregion, seinen Ursprung hat. Bestätigt werden kann dies bei einer urig-gemütlichen Veranstaltung, wie der Ortsweinkost von Mauer, einem zum Bezirk Liesing zählenden Weinbaudorf, die am 10. Juni 2001 in der Maurer Lange Gasse zelebriert wird.

Thermenregion

Und wenn wir schon im äußersten Süden der Bundeshauptstadt sind, so ist es zum Herzen der Thermenregion, die im Jargon der Wiener Weinbeißer wohl ewig die Südbahn bleiben wird, nicht mehr weit: in Gumpoldskirchen wird am 26. und 27. Mai 2001 die Spitzenweinkost des Weinbauvereins stattfinden, wo die besten Tropfen dieses so traditionsreichen Weinortes kredenzt werden; noch bekannter ist das rund einen Monat später, genauer gesagt vom 28. Juni bis 8. Juli 2001, in Gumpoldskirchen inszenierte Weinfest in der Neustiftgasse, seit vielen Jahren ein magischer Anziehungspunkt für durstige und wissbegierige Besucher, die sich an einheimischen Spezialitäten, wie Zierfandler, Rotgipfler und Neuburger, laben wollen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Heimfahrt ins nahe Wien dank ausgezeichneter Schnellbahnverbindungen keinerlei Probleme schafft.

Weinviertel

Wien von Liesing im äußersten Süden bis zur Nordgrenze bei Stammersdorf zu durchqueren, mag mühsam sein, von dort ist es aber nur mehr ein Katzensprung nach Wolkersdorf, der an der Brünner Straße gelegenen Bezirksstadt im südlichen Weinviertel. Nach dem Bau der Umfahrungsstraße besitzt der Stadtkern sicher Chancen zur Verschönerung; schon jetzt sehenswert ist aber das Viertel rund um Schloss Wolkersdorf, wo am 1. Mai 2001 mit dem Weinfrühling gewissermaßen das Eis für die Weinviertler Gewächse des neuen Jahrgangs gebrochen wurde. Ebenfalls an der Brünner Straße, aber deutlich weiter im Norden, liegen Poysdorf, gleichsam das Zentrum des Brünnerstraßlers, wo anlässlich der Poysdorfer Weinparade vom 2. bis 4. Juni 2001 die am höchsten prämierten Weine des nordöstlichen Weinviertels dem weininteressierten Publikum vorgestellt werden, und Falkenstein mit seiner weithin sichtbaren Burgruine, die schon soweit wiederhergestellt wurde, dass sie am 26. und 27. Mai 2001 als Schauplatz für den Weinfrühling in der Burgruine dienen kann. Auch das westliche Weinviertel weiß natürlich seine Feste zu feiern. Eines davon ist das vom 23. bis 24. Juni 2001 kultivierte Kellergassenfest 2001 in Mailberg, dessen Schauplatz die Kellergasse Am Hundschupfen ist. Gleichsam als eine repräsentative Auswahl Weinviertler Winzerkunst, darf schließlich die Präsentation der Qualitätsgemeinschaft "Die Weinviertler"am 10. Juni von 13-18 Uhr im "Kronberger Himmelskeller von Prof. Bauch" gelten.

Wachau/Kamptal/Kremstal/Doanuland/Traisental

"Weltkulturerbe" in jeder Hinsicht ist die Wachau, denn das Donautal zwischen Melk und Krems stellt wohl eine der zauberhaftesten europäischen Kulturlandschaften schlechthin dar und ist seiner berühmten Weißweine wegen über die österreichischen Grenzen hinaus bekannt. Die weinkulturellen Veranstaltungen dürfen freilich nicht fehlen: so begann der Lenz in der Wachau mit dem am 5. und 6. Mai 2001 begangenen Wachauer Weinfrühling, in dessen Zuge 50 Wachauer Winzer mit dem aktuellen Jahrgang neugierigen Besuchern mit Wein und Wissen zur Verfügung standen. Bestens verbinden ließ sich diese Wachaufahrt mit der heuer zum siebenten Mal veranstalteten "Tour de Vin", bei der die Mitglieder der Vereinigung der Österreichischen Traditionsweingüter die neuesten Schätze aus ihren Fässern holten und sich dem staunenden Publikum stellten; punktuell kann man diese Kellerschätze dann am 8. Juni 2001 im prächtig-barocken Rahmen von Stift Göttweig degustieren, wo die Österreichischen Traditionsweingüter, die in den Weinbaugebieten Kamptal, Kremstal und Donauland gelegen sind, ihre allerbesten Gewächse an zentraler Stelle offerieren. Das gleiche Wochenende wurde von den Winzern der "Wagramer Selektion" gewählt, um dem Publikum den neuen Jahrgang zu präsentieren. Am 8., 9. und 10. Juni öffnet der "Alte Winzerkeller" in Kirchberg am Wagram hiezu seine Türen.

Betrachtern, die näher in das Lokalkolorit dieser Weinbaugegenden eintauchen wollen, sei ein Abstecher zu einem der zahlreichen Kellerfeste vorgeschlagen: vielleicht zum Zöbinger Kellerfest, das eine klangvolle Adresse und schöne Aussicht vorweisen kann. Es findet nämlich am Fuße der berühmten Weinlage Heiligenstein statt, in der nach eben dieser Riede benannten Kellergasse, und lässt die unnachahmlich frischen, stahligen Rieslinge und Veltliner Revue passieren. Diese Empfehlung gilt vor allem dann, wenn verabsäumt wurde, anlässlich des Kamptaler Weinfrühlings am 28.-29. April einige der über 100 gastfreundliche Qualitätswinzer und deren geöffnete Keller zu besuchen. Sehr verdient um das Image der Kamptaler Kreszenzen hat sich in den letzten Jahren auch das im Zentrum von Langenlois situierte Ursin Haus gemacht; diese Anlaufstelle für Degustation und Weineinkauf präsentiert vom 26. bis 27. Mai 2001 die Langenloiser Wein-Champions, die durch eine kompetente Fachjury gekürt wurden und die am höchsten eingeschätzten Gewächse des Gebietes darstellen sollen.

Schließlich hat die Wachauer Vereinigung Vinea Wachau das noble Wiener Palais Kinsky zur Heimstatt der diesjährigen Verkostung ihrer Smaragd-Weine erkoren, das sind bekanntlich jene nach Mostgradation und Alkoholgehalt am höchsten rangierenden, kraftvollen Weißweine, die die Spitze der Wachauer Weinpyramide verkörpern. Den besten Überblick über Preis und Leistung bietet, dies sei zum Abschluss noch erwähnt, die NÖ-Wein 2001 in Krems. Sämtliche niederösterreichische Landes- und Gebietsieger sind dort im Kloster Und vom 24. bis zum 27.Mai verkosten.

Wie Sie also sehen, fehlt es im Frühjahr 2001 tatsächlich nicht an weinkulturellen Gelegenheiten, sich im stimmungsvollen Ambiente der einzelnen Weinherkünfte mit den Eigenarten der neuen Weine vertraut zu machen und dies mit der Besichtigung einer der zahlreichen Sehenswürdigkeiten von Österreichs Weinlandschaften zu verbinden.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie in unserem Weinkalender.

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