Das Weinjahr und der Jahrgang 2001

Ende gut, alles gut oder kein Fall für schwache Nerven

(Viktor Siegl). Auf einen milden und trockenen Winter, der seiner Bezeichnung kaum gerecht wurde, folgte ein in den meisten Weinbaugebieten ebenso trockenes wie angenehmes Frühjahr, sodass der Austrieb der Reben plangemäß stattfand. Eine frühsommerliche Periode im Mai weckte sogar Erinnerungen an die Wärmerekorde des Jahres 2000. Nach einer problemlosen Blüte Mitte Juni sorgte ein ziemlich kühler und regnerischer Juli für die ersehnten Niederschläge und eine gewisse Erholung der Pflanzen. Der August war dann so heiß und sonnig, dass sich wieder eine frühe Lese ankündigte, und zwar unter Ausgangsbedingungen, welche die günstigen Voraussetzungen der Jahre 1999 und 2000 zu diesem Zeitpunkt sogar übertrafen.

Weingarten im Frühling
Frühlingsbild, © ÖWM/Armn Faber

Pünktlich zu Schulbeginn kam aber die Trendumkehr in Gestalt eines Septembers mit nicht enden wollenden Niederschlägen, die noch dazu fast vier Wochen andauerten. Die Wende zum Besseren brachte das letzte Septemberwochenende, das eine anhaltende Schönwetterperiode einleitete, die - abgesehen von gelegentlichen Nebelfeldern - eigentlich den ganzen Oktober andauerte. Die Trauben, die im regnerischen Vormonat schon einiges Wasser aufgenommen hatten, stabilisierten sich wieder und die Fäulnisgefahr konnte für die meisten Sorten und Gebiete noch einigermaßen gebannt werden.

Voraussetzung dafür war freilich eine aufwendige Pflege der Rebstöcke während der sommerlichen Vegetationsperiode, denn nur mit einer lockeren Laubwand und nach einer entsprechenden Reduzierung des Ertrages konnte gesundes Lesegut bis zum Abschluss der Erntezeit erhalten bleiben. Diese schwierigen Bedingungen haben auch eine entsprechend intensive Lesearbeit und hohen Kostenaufwand nach sich gezogen. Die Vergärung der Moste erfolgte heuer meist etwas langsamer und unter kühlen Außentemperaturen; den Schlusspunkt unter das Weinjahr 2001 setzen schließlich zwei Frostperioden rund um den Marienfeiertag im Dezember, die wieder einmal eine Eisweinlese ermöglichten.

Die ersten Verkostungen lassen überwiegend sehr fruchtige und pikante Weißweine erwarten, die Sortentypizität ebenso wie die geliebte, österreichische Säurestruktur ins Glas bringen. Die Extraktwerte dürften im höheren Bereich liegen; die Inhaltsstoffe sollten in einem balancierten Verhältnis zueinander stehen. Lediglich die noch während der "Regenzeit" gelesenen Trauben ergaben relativ leichte Jungweine.

Ebenso wie die mit prägnanter Fruchttiefe prunkenden Weißweine zeichnet auch die 2001er Rotweine vor allem feine Fruchtsüße und Eleganz aus, sodass ihr Fruchtcharme den gegenüber dem Vorjahr schlankeren Körper gut ausgleicht. Insgesamt sollten auch die neuen Roten Jahrgänge wie 1995, 1996 oder 1998 deutlich übertreffen und sowohl rasch entwickelnde Gewächse als auch Rotweine mit Substanz ergeben.

Der die Botrytis begünstigende September hat für eine langsame und kontinuierliche Ausbreitung edelfauler Trauben gesorgt, sodass vor allem im Burgenland auf ein attraktives Dessertweinjahr zu hoffen ist, wobei im Seewinkel offenbar auch bedeutende Quantitäten an süßen Leckereien eingebracht werden konnten.

Wenn auch der "knapp entgangene" Jahrhundertjahrgang anfangs für Enttäuschung bei den Winzern gesorgt hat, so hat sich das Blatt doch entscheidend zum Besseren gewandt, sodass auch kritische Konsumenten mit fruchtigen und ausgewogenen Weinen zufrieden gestellt werden können; allerdings ist die Bandbreite der Qualitäten aus einem derart kapriziösen Jahrgang naturgemäß weiter als bei einem witterungsmäßig völlig unproblematischen Herbst.

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