Jahresbericht 2018

Ein Foto zeigt Willi Klinger mit einem Weinglas in der Hand, © ÖWM/Anna Stöcher
© ÖWM/Anna Stöcher

Die große Erntemenge als Chance

Die beeindruckende Entwicklung der österreichischen Weinexporterlöse in den letzten zehn Jahren ist erst der Beginn einer nachhaltigen internationalen Karriere des österreichischen Weins. Im nächsten Jahrzehnt wird sich die über 30-jährige Imagearbeit der ÖWM und der österreichischen Weinwirtschaft noch deutlicher in zählbaren Resultaten ausdrücken. War die Absatzentwicklung zwischen 2010 und 2017 noch sehr stark von kleinen Ernten geprägt, so kommt es mit der großen Ernte 2018 nach dem guten Jahrgang 2017 zu einem Absatz- und Umsatzsprung auf wahrscheinlich über 170 Mio. Euro. Ein weiteres Wachstum in Richtung 180 Millionen scheint für 2019 durchaus im Bereich des Möglichen.

Wenn ich derartige Ziele in der Vergangenheit in den Raum gestellt habe, erntete ich fast immer ungläubiges Kopfschütteln. Aber wenn es Neuseeland 2017 erstmals auf Exporterlöse von über einer Milliarde Euro gebracht hat, warum soll Österreich in fünf Jahren nicht 250 Millionen erreichen?

Solche Entwicklungen sind jedoch nur mit einer klaren Strategie erreichbar. Wir können es uns auf Dauer nicht leisten, Weine zu produzieren, die man unter zwei Euro pro Liter verkaufen muss. Die Zukunft der österreichischen Weinwirtschaft liegt in der konsequenten Fortsetzung einer klaren Qualitätsphilosophie mit herkunftstypischen Weinen und immer leistungsfähigeren, vertriebsstarken Betrieben. Diese Strategie hilft allen, auch jenen, die keine Strategie haben und Trauben ohne Lieferverträge nur für den freien Fassweinmarkt produzieren. Unter dem Dach eines hochwertig positionierten Images unseres Weins können alle mehr und zu höheren Preisen verkaufen als mit einer Mengenstrategie. Wir werden sehen, wie schnell die Übermenge an einfachen Qualitäten der beiden letzten Jahre abfließt, weil der gefragte österreichische Wein endlich auch wieder im Einstiegspreissegment verfügbar ist.

Besonders nachdenklich stimmen mich hingegen Tendenzen, die ÖWM für die aktuelle Mengen- und Preissituation verantwortlich zu machen und unsere Strategie oder die ÖWM als Ganzes in Frage zu stellen. Daher muss nochmals ganz klar festgehalten werden: Die ÖWM ist für ein hohes Image des österreichischen Weins verantwortlich, und das ist wohl eindeutig nachhaltig gelungen. Was jeder Betrieb aber letztendlich daraus macht, ist von uns nicht beeinflussbar. Daher gibt es in dieser Situation Gewinner und Verlierer: Gewinner sind all jene, die nachhaltig eine Qualitätsphilosophie verfolgen – auch Trauben-, Most- oder Fassweinlieferanten, die über Lieferverträge mit qualitätsorientierten Abfüllern und Vermarktern verfügen. Sie bekommen auch heuer ordentliche Preise, während jene, die ihre Trauben Jahr für Jahr an den Meistbietenden liefern, die Konsequenzen tragen müssen, wenn es einmal nicht so gut läuft.

Ihr
Mag. Wilhelm Klinger
Geschäftsführer ÖWM

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