Jahresbericht 2017

Geschäftsführer WILHELM KLINGER mit Weinglas in der linken Hand
© ÖWM/Klimek

Durchstarten nach der Delle

Die Ernte 2017 ist nach den letzten Prognosen reichlich und von sehr guter Qualität. Zwar gab es in Niederösterreich vor allem bei Junganlagen Probleme aufgrund des äußerst trockenen Sommers, aber insgesamt war die Ernte auch hier sehr zufriedenstellend, in manchen Gegenden sogar überdurchschnittlich ergiebig.  Da und dort gab es erneut Einbußen durch Spätfrost, aber die Situation ist nicht mit 2016 vergleichbar. Das Burgenland und die Steiermark melden insgesamt ein überdurchschnittliches Ergebnis.
Das führt zu einer gewissen Entspannung an der Preisfront beim Fasswein, was in der gegenwärtigen Situation sehr positiv ist. Wir haben nämlich in den letzten Monaten beobachtet, dass sich der österreichische Wein im deutschen LEH und Discount beinahe aus dem Markt gepreist hätte. Man darf sich durch ein von der Statistik Austria gemeldetes Exportplus nicht täuschen lassen: Die Zuwächse im Export nach Deutschland kamen eindeutig durch Reexporte zustande, vor allem Grünen Veltliner aus Ungarn. Dennoch könnte aufgrund der guten Performance in unseren traditionellen Wachstumsmärkten noch ein Gesamtumsatzplus herauskommen. Aufgrund des guten und reichhaltigen Jahrgangs 2017 rechnen wir allerdings mit einer deutlicheren Wachstumsphase bereits im nächsten Jahr. Die Preise dürften dabei nur leicht zurückgehen, weil in Frankreich, Italien und Spanien die Erntemengen aufgrund von Frost und Dürre auf einem historischen Tiefstand angelangt sind.

Da kommt die neue Offensive in unserer Weinbaupolitik wie gerufen: Die Sektwirtschaft darf mit der Implementierung der neuen Sektpyramide im Markt mit einem neuen Aufschwung rechnen, wozu die Abschaffung der kontraproduktiven Sektsteuer weitere positive Impulse setzen würde. Eine neue Herkunftsordnung für die Steiermark scheint nun erstmals in Griffweite und würde sehr optimistische Perspektiven eröffnen. Im Burgenland geht man neben den permanent nötigen Feinabstimmungen nochmals im Bereich Rust und Rosalia in die Offensive, und auch in Niederösterreich kommt Bewegung in die letzten harten Brocken.

Ich bin also wieder einmal optimistisch: Das kleine Weinland Österreich kommt durch seine konsequente, klare Strategie immer mehr in den Focus der Fine-Wine-Märkte. Immer öfter werden wir von internationalen Fachleuten, Journalisten, Kollegen, Händlern als Musterbeispiel für erfolgreiches Trading-up bezeichnet. Das ist auch die einzig richtige Strategie, wenn man sich die Entwicklung der Kosten ansieht. Dazu gehört auch unser Bestreben, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein noch stärker in Österreichs Weinwirtschaft zu verankern und damit zu einem integralen Bestandteil des Images unserer Weine zu machen. Die ÖWM kann mit einem erfolgreichen Dachmarketing den Erfolg des österreichischen Weins nicht nur begleiten, sondern auch in bester Kooperation mit den Produzenten und Händlern deutlich verstärken.

Großes Potenzial liegt meiner Meinung nach noch in der Verbesserung des Vertriebs des österreichischen Weins. Wir müssen in den Exportmärkten noch präsenter sein. Vor allem von den etablierten Spitzenproduzenten wünsche ich mir noch mehr Engagement in neuen Märkten. Die Absagen ganzer Weinbaugebiete bei wichtigen Veranstaltungen in Zukunftsmärkten stimmt mich nachdenklich. Wir haben keine Weltmarken wie die großen Champagnerhäuser, die Châteaux von Bordeaux oder etwa Antinori, Torres oder Penfolds. Umso mehr müssen wir in wechselnden Besetzungen mit Top-Betrieben auf den führenden Events der Welt präsent sein. Arbeitsteilung in PR und Vertrieb ist angesagt, wenn es für den einzelnen Betrieb zu viel wird. Wir müssen Flagge zeigen im gehobenen Segment: In Europa, Amerika und immer mehr auch in neuen Märkten wie Asien, Ozeanien und Afrika.

Auf ein gutes Neues Jahr 2018!

Ihr
Mag. Wilhelm Klinger
Geschäftsführer ÖWM

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