Wenn Effizienz und Qualität aufeinandertreffen: Das Beispiel Österreich

Auszug aus einem Blog-Beitrag von David Cobbold

(Les 5 du vin, Quand efficacité rime avec qualité: l’exemple autrichien, 08.06.2015), übersetzt aus dem Französischen.

In einer kürzlich in diesem Blog erschienenen Bericht-Serie über die Steiermark habe ich bereits meine Begeisterung für österreichische Weine ausgedrückt.
Gerade bin ich von einer weiteren Reise zurückgekehrt, die mich ins Burgenland geführt hat. Diese Reise hat mich erneut ermöglicht die bemerkenswerte Intelligenz, organisatorische Qualität und generelle Kompetenz der Dachmarketingorganisation, die für die Kommunikation und das Marketing der österreichischen Weine zuständig ist, wertzuschätzen.

Ich muss sagen, ich kenne keine andere interprofessionelle Kommunikationsagentur mit einem derart großen Aufgabenbereich, wie ihn die ÖWM innehat, die an deren Niveau heranreicht.

Als Weinjournalist erlebt man viele ähnlich geartete Veranstaltungen, sodass es möglich ist, Vergleiche zwischen den Organisationen und zu verkostenden Weinen zu ziehen. Präferenzen sind subjektiv, jedoch gibt es Faktoren bzw. Details, die einer Reiseerfahrung abträglich sein können, wie beispielsweise organisatorische Nachlässigkeiten, fehlende Informationen, schlecht redigierte Texte oder nicht-funktionierende W-LAN-Verbindungen.

Was also macht das hohe Kompetenzniveau der ÖWM aus? Auch wenn Österreich weniger als 1% der Weltweinproduktion ausmacht, ist das Land doch wohlhabend und gut organisiert. Die reiche Kultur und künstlerische Seele treffen auf einen Sinn für Humor, was Willi Klinger, Geschäftsführer der ÖWM, ad personum ausdrückt. Diese Faktoren jedoch schaffen noch keine perfekte Pressereise, der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Das Programm des Weingipfels war zum einen verlockend, intelligent konzeptioniert und bot zahlreiche Möglichkeiten für die 165 Teilnehmer. Bemerkenswert zum anderen war das außerordentliche Bemühen der Organisatoren um Details, sowohl was Logistik als auch Information betrifft, ergänzt durch eine respektable Freundlichkeit und Reaktionsfähigkeit des Teams.

Die 165 Journalisten und Weinexperten aus aller Welt, die am Weingipfel teilnahmen, wurden am Flughafen von einem Fahrer erwartet, ins Hotel gebracht, wo sie eine personalisierte Tasche gefüllt mit zahlreichen Informationen zur Reise und zum Weinland Österreich erwartete. Die Servicequalität findet sich in den Unterlagen wieder, die wie folgt enthielten: Einen Begrüßungsbrief der den Ablauf erklärte, die Nummer der 24-Stunden Servicehotline, einen Stadtplan, auf dem alle Hotels und Locations eingezeichnet waren, Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel, eine umfassende Pressemappe mit Texten zu aktuellen Themen und den neuesten Statistiken, sowie Verkostungsunterlagen für die gesamte Reise. Alle Daten waren zudem auch digital mittels beigelegtem USB-Stick verfügbar. Ein Kofferanhänger mit ÖWM-Branding war ebenfalls im Paket, sowie das detaillierte Reiseprogramm.

Das Reise-Verkostungsbuch (spiralisiert, mit Namensfeld am Cover) schlüsselte alle Stationen detailliert auf. Zu jedem Programmpunkt, sei es ein Dinner (alle Speisen angeführt), eine Verkostung oder ähnlich, enthielt stets alle Weine in Verkostungsreihenfolge inklusive analytischer Daten und Preisband. Im Anhang fanden sich die Adressen der Winzer sowie einige weitere interessante Informationen.

Die dreitägige Reise selbst war lehrreich, unterhaltsam und perfekt organisiert. Bei [fast] jeder Etappe konnte man mit Winzern des Gebiets [oder einem anderen Experten] sprechen. Es gab auch kulturelle Programmpunkte wie den Besuch von Museen, Schlössern und Ausstellungen, die stets durch eine Weinverkostung vor Ort ergänzt wurden.

Die letzten beiden Programmpunkte der Reise stellten die Krönung dar. Zu Mittag in Wien beim Palais Niederösterreich eingetroffen, erwartete uns ein sehr gutes Buffet mit einfachen, aber hochqualitativen Speisen. Jeder konnte seinem eigenen Rhythmus und Zeitfenster folgend, an einer grandiosen gesetzten Verkostung von über 100 Weinen von Österreichs König-Rebsorte, dem Grünen Veltliner, teilnehmen. Der riesige Landtagssaal des Palais war mit langen Tafeln im Schulklassenformat aufgebaut. Jeder Platz war mit einer Nummer versehen. Auf vorbereitete Kärtchen schrieb man die Platznummer und Nummer des Flights (Serie), den man zu verkosten wünschte und hielt es in die Luft. Es wurde eingesammelt und kurz darauf erschien ein [Jung-]Sommelier mit einer Tasche, die die Weine temperiert und in Reihenfolge nummeriert, enthielt. 24 Flights, je drei bis sechs Weine umfassend, konnten verkostet werden.
Ich habe 16 Serien verkostet, da die Weine in verschiedene stilistische Gruppen angeordnet waren: „Jung und Elegant“, „Kraftvolle Reserven“, „reife Veltliner“ und „Innovativ und Wild „ (was in etwa den sogenannten „vin nature“ entspricht).

Der letzte Abend unter dem Motto „200 Jahre Wiener Kongress“ fand im Palais Schönburg und im Garten darum statt, mit vielen weiteren Weinen, hochwertigen Speisen [in Form eines flying Buffets] und Musik aus der Epoche (die später am Abend moderner erklang). Die ÖWM-Crew erschien in historischen Gewändern und Willi Klinger kümmerte sich persönlich um ein Kostüm des Duke of Wellington für mich – welche Ehre!

Welche Lehren leiten wir daraus ab? Das ÖWM-Team ist für die Sache bestimmt, respektvoll und personell gut zusammengesetzt. Sie leitet die gesamte Kommunikation über Österreichs Weine, sowohl im Ausland als auch im Inland. Die Firma umfasst 22 Personen, sowie acht in einer Tochterfirma [ÖWI], die sich [unter anderem] um logistische Aspekte kümmert. Die Personen, mit denen ich in Kontakt war, sind alle gut ausgebildet (WSET Level 2 als Minimum, oft Level 3 oder darüber) und sprechen mindestens zwei oder drei Sprachen. Sie sind einsatzbereit, zuvorkommend und verstehen die Anliegen und Verpflichtungen der Branche. Sie lieben den Wein und wissen, wie man im Team arbeitet.

So viel zu einigen Voraussetzungen. Wenn Sie nicht selbst die Möglichkeit haben, eines Tages nach Österreich zu kommen, schauen Sie wenigstens auf die Website www.austrianwine.com oder besuchen Sie den Österreich-Stand auf der Vinexpo.

Zu den Weinen, die ich verkostet habe, melde ich mich in zwei Wochen wieder.

David Cobbold

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