Wien

Wien (612 ha) - Alte Heurigentradition - neue Weinkultur

Weinbau in der Großstadt? Oft handelt es sich dabei um Schauweingärten als Tourismusattraktion. Doch Wien ist anders. Hier sind 612 Hektar Rebfläche ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, dienen der Erhaltung des Grüngürtels und sind die Basis für hohe Weinqualität. Noch im späten Mittelalter standen Reben auch innerhalb der Stadtmauern von Wien bis in den heutigen ersten Bezirk, heute liegt der Schwerpunkt des Weinbaus in den Vororten am Stadtrand: Die Lagen am Bisamberg nördlich der Donau – bewirtschaftet von Winzern aus Strebersdorf, Stammersdorf und Jedlersdorf – sind günstig für die Burgunderfamilie.

Weinbaufläche

612 ha

Wichtigste Rebsorten

Gemischter Satz

Wichtige Weinbauorte

Bisamberg, Nussberg, Kahlenberg, Georgenberg

Ein Bild zeigt das Panorama über Wien und seine Weinberge
© ÖWM

Von Ottakring über Hernals hinauf nach Pötzleinsdorf, und vor allem im 19. Gemeindebezirk mit den Ortsteilen Heiligenstadt, Nussdorf, Grinzing, Sievering und Neustift am Walde sind Riesling, Chardonnay und Weißburgunder auf den  unterschiedlich kalkreichen Böden bevorzugt. Im Süden Wiens mit Rodaun, Mauer und Oberlaa sind Rendsinen, Braun- und Schwarzerdeböden zu finden, gut für kraftvolle Weißweine und opulente Rotweincuvées. Kaum ein Winzer verzichtet aber auf den traditionellen Gemischten Satz, bei dem im Weingarten verschiedene Rebsorten gemeinsam ausgepflanzt sind, die auch gemeinsam geerntet und zu Wein verarbeitet werden. Wiederentdeckt wurde die Toplage Nussberg, die junge, ideenreiche Winzer aus allen Teilen der Weinstadt – auch Quereinsteiger – beinahe magisch anzieht.

Die Anziehungskraft des Wiener Heurigen besteht bis heute. Ob permanent geöffneter „Nobelheuriger“ mit großem Bufett oder kleine, versteckte Buschenschank mitten in den Weingärten, der nur wenige Wochen im Jahr „ausg‘steckt“ hat – ein wahrer Besuchermagnet sind sie alle, für Einheimische wie für Touristen. Auch anspruchsvolle Weinfreunde kommen hier beim wachsenden Angebot an glasweise ausgeschenkten Topweinen auf ihre Rechnung. Damit Wien die Weingärten auch in Zukunft als Natur- und Kulturlandschaft erhalten bleiben, schreibt ein neues Wiener Landesgesetz zwingend vor, dass Rebflächen in Wien bewirtschaftet werden müssen und schützt somit wertvolle Weinlagen vor Immobilien-Spekulationen.

Video: Wien, © ÖWM


Video: Wien, © ÖWM

Erst im letzten Jahrzehnt ist es dem Wiener Wein gelungen, das bloße Heurigenimage abzulegen und den Sprung auf die Weinkarten der Gourmetrestaurants zu schaffen.  Kein Wunder, denn Wiener Spitzenwinzer beeindrucken seit Jahren nationale und internationale Verkostungsjurys mit ihren Weinen, seien es herrliche Weißweine aus Grüner Veltliner, Riesling, Chardonnay oder  Weißburgunder oder großartige Pinot Noir oder Zweigelt. Vor allem der „Wiener Gemischte Satz“, Paradewein der Stadt, erlangte durch seinen Ursprungsschutz im Jahr 2013 und seine Neuinterpretation visionärer Top-Winzer internationale Anerkennung.

Der größte Sortenanteil einer Rebsorte darf nicht höher als 50% sein, der drittgrößte Anteil muss zumindest 10% umfassen. Früher als Risikominderung bei ungleichmäßigen Erntebedingungen vorgesehen, erfreut sich dieser Weintyp heute wieder großer Beliebtheit, sowohl als frischer Klassiktyp, als auch als kraftvolle, lagerfähige Reserve. Ebenso wiederentdeckt wurde die Toplage Nussberg, die junge, ideenreiche Winzer aus allen Teilen der Weinstadt – auch Quereinsteiger – beinahe magisch anzieht.