Österreichischer Sekt mit geschützter Ursprungsbezeichnung

2015 wird mit einem Meilenstein für die österreichische Sektwirtschaft in die Weingeschichte unseres Landes eingehen. Denn unter der Federführung des erst 2013 gegründeten Österreichischen Sektkomitees und tatkräftiger Mitarbeit der Sekt erzeugenden Winzer wurden die Eckpunkte einer dreistufigen Qualitätspyramide für den österreichischen Sekt festgelegt. Diese nimmt in ihrer Spitzenkategorie Maß an den höchsten Standards der führenden Schaumweine der Welt – wie Champagne oder Franciacorta.

Dieser Vorschlag wurde vom Nationalen Komitee beschlossen und dem Minister vorgeschlagen, der ihn 2016 per Verordnung in Gesetzesrang hebt.

Grundsätzlich gilt die Bestimmung, dass „Österreichischer Sekt mit geschützter Ursprungsbezeichnung“ („Sekt g. U.“) ausschließlich in Verbindung mit den Begriffen „Klassik“, „Reserve“ oder „Große Reserve“ und unter den der entsprechenden Verordnung festgelegten Bedingungen in Verkehr gebracht werden darf. Dabei hat sich die Verkehrsbezeichnung aus der Bezeichnung der Kategorie (Qualitätsschaumwein oder Sekt), dem Namen der geschützten Ursprungsbezeichnung (Bundesland und ggf. Gemeinde/-teil) und aus den Begriffen „geschützte Ursprungsbezeichnung“ oder „g. U.“ zusammenzusetzen. Der Begriff „Hauersekt“ darf zusätzlich angegeben werden.

Dreistufige Qualitätspyramide grafisch dargestellt. Copyright: ÖWM
Dreistufige Qualitätspyramide, © ÖWM

Die Stufe „Klassik“ definiert strengere Mindestanforderungen für den Österreichischen Qualitätsschaumwein. Sie garantiert vor allem die Herkunft der Trauben aus einem österreichischen Bundesland sowie eine Mindestlagerzeit des Sekts auf der Hefe von 9 Monaten unabhängig von der Herstellungsmethode. Ab der Stufe „Reserve“ sind ausschließlich Sekte zugelassen, die nach der traditionellen Methode (Flaschengärung) produziert wurden. Die Trauben und Grundweine müssen hier aus einem generischen Weinbaugebiet stammen (Bundesland), eine Reifezeit auf der Hefe von mindestens 18 Monaten ist vorgeschrieben. Für die höchste Stufe, „Große Reserve“, der flaschenvergorenen Spitzensekte dürfen die Trauben nur in einer einzigen Weinbaugemeinde gelesen und nach dieser bezeichnet werden (z. B. Poysdorf, Langenlois, Gols, Gamlitz…), wobei Lagenbezeichnungen möglich sind. Nach der Flaschengärung und Reifezeit auf der Hefe von mindestens 30 Monaten kommen die Sekte dieser Kategorie erst frühestens drei Jahre nach der Ernte auf den Markt.

Die einzelnen Stufen umfassen weitere qualitätssichernde Standards, wie die Arbeit im Weingarten, Ernte, Handlese, Schütthöhe, Ausbeutesatz und die schonende Pressung. Kriterien für die Sektgrundweine sowie für die Prüfung und Kontrolle der Qualitätsstufen werden in den nächsten Monaten im Detail erarbeitet und festgelegt. Begleitend dazu wird gemeinsam mit der Österreich Wein Marketing eine Marketingstrategie zur effektiven Kommunikation dieser neuen Kategorien konzipiert. Voraussetzung dafür ist die für 2015 geplante Verankerung dieses strengen, qualitätsorientierten Regelwerks im Weingesetz.

Stufe „Klassik“:

• Ernte der zugrunde liegenden Trauben in einem österreichischen Bundesland,  Verarbeitung und Versektung in Österreich
• Abgabe an den Endverbraucher nicht vor dem 22.10. des Folgejahres
• ein vorhandener Alkoholgehalt, der mit höchstens 12,5 % vol. am Etikett anzugeben ist
• Mindestens 9 Monate Lagerzeit auf der Hefe
• Alle Methoden, die zur Sekterzeugung geeignet sind, erlaubt
• Alle Stilistiken / alle Dosagen / alle Farben (weiß, rosé, rot) erlaubt
• Keine nähere Herkunftsbezeichnung als das Bundesland erlaubt
• verpflichtende Angabe eines Bundeslandes als geschützte Ursprungsbezeichnung, wobei eine nähere geographische Angabe als das Bundesland unzulässig ist
• Traubenverarbeitung nach dem Gesetz

Stufe „Reserve“:

• Ernte und Pressung der zugrunde liegenden Trauben in einem einzigen Bundesland
• Ausschließlich Traditionelle Flaschengärung
• Abgabe an den Endverbraucher nicht vor dem 22.10. des zweiten auf die Ernte folgenden Jahres (nach 2 Jahren)
• Mindestens 18 Monate Lagerzeit auf der Hefe
• Ausbeutesatz 60% (Saft der Traubenmenge)
• verpflichtende Angabe eines Bundeslandes, wobei eine nähere geographische Angabe unzulässig ist
• Jahrgangsbezeichnung erlaubt
• Ausschließlich brut, extra brut oder brut nature, bzw. ein Restzuckergehalt von höchstens 12 g/l
• kein Verschnitt von rotem und weißem Grundwein zur Herstellung von Roséwein
• Handlese
• Ganztraubenpressung

Stufe „Große Reserve“:

• Ernte und Pressung der zugrundeliegenden Trauben in einer einzigen Gemeinde
• Abgabe an den Endverbraucher nicht vor dem 22.10. des dritten auf die Ernte auf die Ernte folgenden Jahres (nach 3 Jahren)
• Mindestens 30 Monate Lagerzeit auf der Hefe
• Ausschließlich Traditionelle Flaschengärung
• Ausbeutesatz 50% (Saft der Traubenmenge)
• Die zusätzliche Angabe von Großlagen oder Rieden ist möglich
• Jahrgangsbezeichnung erlaubt
• Ausschließlich brut, extra brut oder brut nature bzw. ein Restzuckergehalt von höchstens 12 g/l
• Handlese (max. Schütthöhe 35cm)
• Pressung: Korbpresse od. pneumatisch
• kein Verschnitt von rotem und weißem Grundwein zur Herstellung von Roséwein
• Pressung im Gerichtsbezirk der Traubenherkunft / Mosttransport erlaubt (vgl. Champagne)
• Derzeit keine Eingrenzung des Alkoholgehalts nach unten oder oben
• Ganztraubenpressung

Zusätzliche Differenzierungsmöglichkeit innerhalb dieser Stufe: speziellen Auslobung „alles aus einer Hand“ vergleichbar mit RM (récoltant-manipulant) in der Champagne.

*Im Zusammenhang mit den Gebietsgrenzen (Gemeinde/Gerichtsbezirk) wird noch an einer Detaillösung gearbeitet, um Kurzdistanzen zwischen Weingarten und Presshaus, die dennoch eine Gemeindegrenze überqueren (z.B. Wien/Klosterneuburg) zu lösen. Parameter für den Sektgrundwein in jeder der drei Stufen sowie auch Details zur Prüfung und Kontrolle (Stichwort: staatlich geprüfte Qualität) werden in den kommenden Wochen noch ausgearbeitet und ergänzt.

Prüfung durch die Bundesämter für Weinbau

Sekt g. U. Klassik, Sekt g. U. Reserve und Sekt g. U. Große Reserve dürfen nur in Verkehr gesetzt werden, wenn die Verkehrsfähigkeit vom Bundesamt für Weinbau in Eisenstadt oder der Höheren Bundeslehranstalt und Bundesamt für Weinund Obstbau in Klosterneuburg bescheidmäßig festgestellt worden ist.

Spezifisches Zeichen "Österreichischer Sekt geschützter Ursprung"

Sekt g. U. Klassik, Sekt g. U. Reserve und Sekt g. U. Große Reserve dürfen nur in Glasflaschen abgegeben oder am Ort der Verabreichung ausgeschenkt werden, wenn die Flasche mit dem spezifischen Zeichen „Österreichischer Sekt geschützter Ursprung“ versehen ist.