Zertifiziert nachhaltig

Seit vielen Jahren stellt die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft ein wichtiges Thema dar – zunehmend auch im Weinbau. Diesem Umstand Rechnung tragend entwickelte der Österreichische Weinbauverband in einem mehrjährigen Projekt ein Online-Tool für die Messung nachhaltiger Arbeitsweise der heimischen Weinbranche. Damit können österreichische Winzer eine Eigenbewertung durchführen und in einem weiteren Schritt seit Frühjahr 2015 eine Nachhaltigkeits-Zertifizierung beantragen. Zertifizierte Betriebe können dann auf Wunsch auf dem Etikett die Angabe „Zertifiziert Nachhaltig Austria“ mit der Betriebsnummer angeben.

Das Bild zeigt die Logos "Nachhaltig Austria", © Österreichischer Weinbauverband
Logos "Nachhaltig Austria", © Österreichischer Weinbauverband

Nachhaltigkeit als Notwendigkeit im heimischen Weinbau

Der Weinbau ist aufgrund der eingesetzten Pflanzenschutzmittel und Dünger, des benötigten Energie- und Wasseraufwandes sowie häufig erforderlicher Transporte eine sehr intensive Form der Landwirtschaft. Zudem reagiert der Weinbau sensibel auf veränderte Wetterverhältnisse wie lange Dürre- oder Regenperioden, die durch den Klimawandel verstärkt werden. Daraus stellen sich Fragen wie: „Wie kann sich der Weinbau an veränderte Klimabedingungen anpassen?“ oder „Wie sieht nachhaltiger Weinbau, der qualitativ hochwertigen Wein produziert, im Hinblick auf Ökologie, Ökonomie und soziale Komponenten aus? Welche Maßnahmen sind dafür notwendig?“

Online-Tool zur Nachhaltigkeits-Selbstbestimmung

Aufbauend und als Antwort auf vorangegangene Klima-Projekte initiierte der Österreichische Weinbauverband die Entwicklung eines Zertifizierungssystems für nachhaltig produzierten Wein, welches WinzerInnen eigenständig anwenden können. Gemeinsam mit Fachexperten wurden in mehreren Stufen und für unterschiedliche Prozesse (Traubenproduktion, Weinerzeugung, Weingartenanlage, Soziales und Ökonomie) Qualitätsziele definiert und Maßnahmen zur nachhaltigen Umsetzung erarbeitet. Das Ergebnis der langjährigen Entwicklung wurde am Bundesweinbautag am 24. Juni 2014 erstmals präsentiert.

Eigenverantwortung als Basis für die Zertifizierung

Das Bild zeigt die Grafik zu Selbstbestimmung der Nachhaltikgeit.

In dem für alle online verfügbaren Programm erhalten Winzer nach Eingabe ihrer betrieblichen Kennzahlen eine Auswertung ihrer Nachhaltigkeit in Form eines Diagramms (siehe Abbildung rechts). Die Eingaben in den je nach Betrieb vorhandenen Bereichen (Traubenproduktion, Weinproduktion, Weingartenanlage) werden automatisch nach einem bestimmten Schlüssel bewertet. Das heißt, dass Maßnahmen, die nur einen geringen Beitrag zur Nachhaltigkeit haben, eine geringere Wertigkeit bekommen, während etwa die Umstellung beim Flaschenglas auf Leichtglas einen großen Schritt bedeutet. Sind alle Punkte ausgefüllt, wird das Ergebnis in Form eines Diagramms ausgegeben. Der schwarze Punkt markiert den aktuellen Wert in dieser Kategorie. Je weiter außen der Punkt liegt, desto nachhaltiger wird in diesem Bereich gewirtschaftet. Der rote Bereich zeigt deutliches Verbesserungspotenzial an, der grüne Bereich überdurchschnittliche Nachhaltigkeit. Das System wirft somit keine konkreten Zahlen aus, sondern einen Relativbezug. Damit ist für WinzerInnen ersichtlich, wie weit sie von einem optimal wirtschaftenden Betrieb entfernt sind und welche Verbesserungen mit diversen Maßnahmen erreicht werden können. Für die Bewertung dieser Maßnahmen im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeit werden laufend folgende Kriterien herangezogen:
•    Klimaneutralität
•    Wassernutzung
•    Energieeinsatz
•    Betriebsmitteleinsatz
•    Bodenfruchtbarkeit
•    Biodiversität
•    Hoher Qualitätsanspruch
•    Soziale Aspekte
•    Ökonomische Rentabilität

Das Projektteam:

Österreichischer Weinbauverband: Dir. Dipl.-Ing. Josef Glatt (Projektträger)
Universität für Bodenkultur Institut für Marketing und Innovation: Prof. Dr. Siegfried Pöchtrager, Dipl.-Ing. Stefan Großauer
HBLA und BA für Wein- und Obstbau (Lehr- und Forschungszentrum = LFZ): Dir. Dipl.-Ing. Karl Vogl, Mag. Ing. Franz G. Rosner (ab Herbst 2011)
SERI Nachhaltigkeitsforschungs und -kommunikations GmbH: Eva Burger (bis Frühjahr 2012)

Weitere Informationen erhalten Sie beim Österreichischen Weinbauverband, Dir. Dipl.-Ing. Josef Glatt per E-mail unter j.glatt@lk-oe.at oder telefonisch unter +43 1-53441.