Geschichte

Schon vor mehr als 60 Millionen Jahren gab es Weinreben. In der nacheiszeitlichen Wärmeperiode (vor 10.000 bis 5.000 Jahren) wanderte die Rebe entlang der Donau nach Nordwesten. Der Mensch als „homo sapiens“ fand jene Wildrebe vor, die als Urform der Kulturrebe aller europäischen Edelsorten gilt.

700 v. Chr.     

Die Kelten und vermutlich auch ihre illyrischen Vorgänger erziehen bereits Kulturreben in einer sehr einfachen Form des Weinbaues; so werden in einem keltischen Grabhügel aus der Hallstattzeit im burgenländischen Weinbauort Zagersdorf eindeutig Traubenkerne der Kulturrebe Vitis vinifera gefunden. Bronzezeitliche Traubenkernfunde belegen eine jahrtausendealte Weinbautradition auch im Traisental und in Weinviertler Ort Stillfried an der March. 

1. Jh. v. Chr.

Die Römer beginnen auch in unseren Breiten mit einer systematischen Form des Weinbaues: Nachweise finden sich im Donauraum (im heutigen Weinbaugebiet Carnuntum), rund um den Neusiedlersee, im Südburgenland und in der Südsteiermark bei Flavia Solva.

Ein Bild zeigt eine Skulptur von Marcus Aurelius Probus
Marcus Aurelius Probus, © ÖWM

276 bis 282        

Der römische Kaiser Marcus Aurelius Probus, der in diesem Zeitraum regiert, hebt das seinerzeit von Kaiser Domitian für Weinreben nördlich der Alpen erlassene Anbauverbot ausdrücklich auf und hält sein Heer zur Anlage neuer Weingärten im pannonischen Raum an.

482

Der römische Historiker Eugippius erwähnt in der Biografie des Heiligen Severin, dass sich dieser vor seinem Tod an einen Ort „qui ad vineas vocabatur“, also in die Weingärten, zurückgezogen hat. Diese Weinberge werden in der Gegend von Mautern, somit am rechten Donauufer gegenüber von Krems, vermutet, nach anderen Quellen aber in Heiligenstadt oder Nussdorf im Wiener Gemeindebezirk Döbling.

488     

Die Römer geben ihre Herrschaft über die einstige Provinz Noricum endgültig auf; in den nachfolgenden Wirren der Völkerwanderung werden die österreichischen Weinberge zum Großteil verwüstet.

795

Karl der Große erlässt seine „Capitulare de Villis“, in denen unter anderem detaillierte Angaben über Weinbau, Weinpflege und Weinrecht enthalten sind. Im Rahmen der karolingischen Kolonisation wird der Weinbau im östlichen Raum des Frankenreiches nachhaltig gefördert: Unter anderem wird ein Weinbaukataster eingeführt und eine Bewertung und Bereinigung der Vielzahl von Rebsorten durchgeführt.

890 bis 955       

Der Weinbau erleidet Rückschläge durch Einfälle der Magyaren.

10. bis 12. Jh.

Die Zisterzienser brachten mit Stift Heiligenkreuz und dem Freigut Thallern in der Thermenregion burgundische Weinkultur nach Österreich. An der Donau waren es vor allem bayrische Bistümer und Klöster die mit der Urbarmachung von Flusstälern, wie etwa der Anlage der Terrassenkulturen in der Wachau, beginnen. Damals bewirtschaften Klöster, wie die bayerischen Abteien Niederaltaich und Herrieden, die Stifte Tegernsee und Metten sowie die Hochstifte Freising, Passau und Regensburg ebenso Weinberge, wie der Erzbischof von Salzburg, die zu einem kleinen Teil sogar noch heute in deren Besitz stehen.

1170               

Als die Residenz der Babenberger nach Wien verlegt wird, erlebt auch der Weinbau in der neuen Hauptstadt einen Aufschwung. Nun dürfen nämlich auch die Wiener Bürger Weingärten erwerben, die damals weite Teile der inneren Bezirke belegten.

1327               

Der zur Kartause Mauerbach gehörende Seitzerkeller wird in der Wiener Dorotheergasse angelegt; in der Folge werden 60 weitere, teilweise mehrstöckige Kellerlokale errichtet und auch in den so genannten Trinkstuben die selbst erzeugten Gewächse ausgeschenkt.

1359               

Rudolf IV. erhebt eine 10%ige Getränkesteuer unter der Bezeichnung Ungeld; darüber hinaus werden auch Bergrechtsablösen der Grundherren und eine Vielzahl von Mautgebühren, welche Städte und Landesfürsten für die Einfuhr und Durchfuhr von Weinen verlangen, eingehoben.

15. bis 16. Jh.  

Die Rebfläche erreicht in Österreich ihre größte Ausdehnung: die Weingärten erstrecken sich entlang der Donau bis nach Oberösterreich und in der Steiermark bis zum Semmering, aber auch in Salzburg, Kärnten, Tirol und Vorarlberg ist der Weinbau weit verbreitet, sodass man von einer wenigstens dreimal größeren Rebfläche als heute ausgeht.

1524               

Die ungarische Königin Maria gewährt den Ruster Winzern das Privileg, als frühen Herkunftsschutz in ihre Weinfässer ein großes „R“ einzubrennen.

1526               

The Royal Esterházy family vineyards produce the first documented noble sweet dessert wine (most probably a Trockenbeerenauslese) from the village of Donnerskirchen, Burgenland. Regarded as the Lutherwein, Prince Paul Esterházy purchased a large vat of the wine in 1653, and the same wine was enjoyed for over 300 years, the last drop being allegedly poured in 1852.

1582               

Der Schottenmeister Johannes Rasch veröffentlicht sein bekanntes Werk: „Von Bau, Pflege und Gebrauch des Weines“.

17. Jh.            

Durch Religionskriege, Türkenbelagerungen, hohe Steuern und den Aufschwung des Bieres wird der Weinbau stark eingedämmt.

1681               

Rust erkauft sich it 60 000 Gulden und 500 Eimer Ausbruchwein den Titel einer königlichen Freistadt.

Ein Bild zeigt Maria Theresia
Maria Theresia, © ÖWM

18. Jh.            

Unter Maria Theresia (1740 – 1780) und ihrem Sohn Joseph II. (1780 – 1790) wird der Weinbau wieder stark gefördert. In diesen Zeitraum fallen auch die Anfänge der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Weinbaus in Österreich.

1784               

Die Josephinische Zirkularverordnung vom 17. August 1784 erlaubt es jedem, „die von ihm selbst erzeugten Lebensmittel, Wein und Obstmost zu allen Zeiten des Jahres, wie, wann und zu welchem Preis er will, zu verkaufen oder auszuschenken“. Sie ist somit Vorläuferin der berühmten Buschenschankverordnung, die den Siegeszug der Heurigen und Buschenschänken in Österreich ermöglichte.

Ein Bild zeigt die Wein- und Obstbauschule Klosterneuburg
© ÖWM / Wein- und Obstbauschule Klosterneuburg

1860               

Freiherr von Babo gründet in Klosterneuburg die Wein- und Obstbauschule, die im Jahr 1874 in die Staatsverwaltung übergeht und seit dem Jahr 1902 den Titel einer Höheren Lehranstalt für Wein- und Obstbau führt. Nach diesem Modell wird eine Vielzahl ähnlicher Institute in der gesamten Monarchie geschaffen. Die höhere Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg ist heute die älteste Weinbauschule der Welt.

19. Jh.            

1850 wird erstmals Oidium (Echter Mehltau) und 1878 Peronospora (Falscher Mehltau) in österreichischen Weingärten gesichtet. Die Einschleppung der Reblaus ab 1872 zerstört auch in Österreich die Weinkulturen weitgehend.

1890               

Ludwig Hermann Goethe übernimmt die Geschäftsführung des Landwirtschaftlichen Vereins zum Schutze des österreichischen Weinbaues und veröffentlicht eine wegweisende Historie über den Weinbau in unseren Breiten, in der die damals wichtigsten Herkünfte und Rebsorten sorgfältig dokumentiert werden.

1907               

Ein erstes österreichisches Weingesetz tritt in Kraft, das unter anderem die zulässigen Weinbehandlungsmaßnahmen auflistet und die Herstellung von Kunstwein verbietet.

1918               

Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie schrumpft die Weinfläche im neuen Kleinstaat Österreich bis in die Dreißigerjahre von rund 48.000 Hektar vor dem Ersten Weltkrieg auf etwa 30.000 Hektar.

1922               

Professor Friedrich Zweigelt, späterer Direktor der Höheren Bundeslehr- und Bundesversuchsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Klosterneuburg, Niederösterreich, kreuzt die Rebsorten St. Laurent und Blaufränkisch und schafft somit die wichtigste österreichische Neuzüchtung, den Blauen Zweigelt  (Rotburger).

1936               

Ein neues Bundesgesetz über die Regelung des Weinbaus, welches die Neuanlage von Weingärten und die Anpflanzung von Direktträgern untersagt, ist als typisches Beispiel der von starken protektionistischen Tendenzen geprägten Agrarpolitik der Ersten Republik anzusehen.

1950               

Der Rohrendorfer Weinbaupionier Lenz Moser veröffentlicht sein grundlegendes Werk „Weinbau einmal anders“, das den bis dahin herkömmlichen Methoden des Weinbaues den Kampf ansagt. Durch die Einführung der so genannten Hochkultur werden erst Mechanisierung und Rationalisierung des Weinbaues sowie eine starke Steigerung der Quantität möglich; bis Ende der Fünfzigerjahre fasst diese Erziehungsart der Reben in unseren Breiten richtig Fuß. In den Achtzigerjahren sind bereits über 90 Prozent der Rebflächen in dieser Erziehungsform angelegt.

1985               

Der zyklische Preisverfall für Fassweine und die Verfälschung der Weine mit Diäthylenglykol führen zum so genannten „Weinskandal“. In der Folge sanken die Exporte nahezu gegen Null. Als Reaktion wird ein neues, strenges Weingesetz eingeführt, das unter anderem eine lückenlose Prüfung der Weinbestände verlangt.

1986               

Die österreichische Weinmarketingservicegesellschaft wird gegründet, um Image und Absatz der österreichischen Weine zielgerichtet zu fördern.

1991               

Mit der Weinakademie Österreich wird eine heute international anerkannte Schulungsstätte mit einer Vielzahl von Ausbildungsprogrammen in deutscher und englischer Sprache eingerichtet. Mit 750 Seminaren und  über 15.000 Teilnehmern bis zum Jahr 2014 hat sie sich inzwischen zum größten deutschsprachigen Weinausbildungsinstitut entwickelt.

1995               

Nach dem EU-Beitritt Österreichs wird auch das Weinrecht der Gemeinschaft übernommen.

2000 bis 2008            

Von der EU geförderte strukturpolitische Maßnahmen werden eingeführt und betreffen sowohl die Förderung von Weinbaubetrieben als auch die Stilllegung und Umstellung von Rebflächen.

2001               

Regionale Weinkomitees, zusammengesetzt aus wesentlichen Vertretern der Weinwirtschaft des jeweiligen Gebietes, werden etabliert. Deren Hauptzweck ist die Verbesserung der Koordination des Absatzes (z.B. durch Standardverträge von Bewirtschaftungsverträgen, Qualifizierungsmaßnahmen), die Ausarbeitung regionaltypischer Weinstile und die enge Zusammenarbeit mit der ÖWM zum Zweck der Vermarktung und Positionierung des Gebietes. Die Arbeit der Regionalen Weinkomitees wird durch das Nationale Weinkomitee überwacht und koordiniert.

2001               

Regionale Weinkomitees, zusammengesetzt aus wesentlichen Vertretern der Weinwirtschaft des jeweiligen Gebietes, werden etabliert. Deren Hauptzweck ist die Verbesserung der Koordination des Absatzes (z.B. durch Standardverträge von Bewirtschaftungsverträgen, Qualifizierungsmaßnahmen) die Ausarbeitung regionaltypischer Weinstile und die enge Zusammenarbeit mit der ÖWM bei der Vermarktung und Positionierung des Gebietes. Die Arbeit der Regionalen Weinkomitees wird durch das Nationale Weinkomitee überwacht und koordiniert.

2002               

„The London Tasting“ - Bei einer historischen Grüner Veltliner-Chardonnay Blindverkostung in London, organisiert von Jancis Robinson MW und Tim Atkin MW, gehen die ersten vier Plätze an heimische Veltliner und Chardonnay, unter den Top-Ten befinden sich drei weitere österreichische Weine. Die hochkarätigen internationalen Weine stammen u.a. von Weingütern wie Ramonet, Louis Latour, Jadot (Burgund), Gaja (Italien), Mondavi (Kalifornien) und Penfolds (Australien). Weitere Tastings in Wien, Tokio und Singapur führen zu ähnlichen Resultaten.

2003               

Mit dem Weinviertel DAC (erstmals Jahrgang 2002) kommt der erste regionaltypische Herkunftswein in Form eines trockenen, gebietstypischen Grünen Veltliners auf den Markt.

2006               

Österreichs erster roter Herkunftswein (Jahrgang 2005) mit typischem Geschmacksprofil kommt aus dem Mittelburgenland. Erstmals wird dabei ein DAC-Wein in zwei Stufen – Klassik und Reserve – eingeteilt.

2007 bis 2009

Mit dem Jahrgang 2006 kommt der zweite weiße Herkunftswein, der Traisental DAC auf den Markt. Wie Kremstal DAC und Kamptal DAC, die mit den Jahrgängen 2007 bzw. 2008 folgen, sind jeweils die Rebsorten Grüner Veltliner und Riesling in einer klassischen Ausprägung und in einem Reserve-Stil möglich Ab dem Jahrgang 2009 gibt es auch den Weinviertel DAC in einer Reserve-Stufe.

2010

Ab 1. September 2010 dürfen erstmals zwei weitere burgenländische Herkunftsweine verkauft werden: der Leithaberg DAC (weiß ab Jahrgang 2009, rot ab Jahrgang 2008) und der Eisenberg DAC (Blaufränkisch, Klassik ab Jahrgang 2009, Reserve ab Jahrgang 2008).

2012

Im März 2012 tritt die Verordnung für Neusiedlersee DAC in Kraft. Sie gilt für gebietstypische Zweigelt des Gebietes, Reserve-Weine bestehen aus einer Zweigelt-dominierten Cuvee. Die Verordnung gilt für alle Weine ab dem Jahrgang 2011.

2013

Der Wiener Gemischte Satz wird ab dem Jahrgang 2013 zur neunten DAC-Herkunft in Österreich.

2016

Einführung der dreistufigen Qualitätspyramide „Österreichischer Sekt g.U." (Klassik, Reserve, Große Reserve)

2017

Schilcherland DAC (ehemals Weststeiermark) wird zu Österreichs zehntem DAC-Weinbaugebiet.