Die neue Generation

Das Weinland Österreich auf dem Weg in die Zukunft

Weingüter und Weinbauernhöfe haben eine uralte Tradition – ähnlich wie die Weine selbst, die darin entstanden und entstehen. Sie zum Thema der Architektur zu machen, ist allerdings ein relativ neues Phänomen, das eng mit den geänderten Ansprüchen einer innovativen Winzergeneration in Verbindung steht.

Ein Bild zeigt einen Sonnenaufgang im Kremstal
© ÖWM / Himml

Bei einem optimalen Arbeitsplatz müssen alle Abläufe – von der Traubenannahme bei der Ernte über den Ausbau der Weine bis zur Flaschenfüllung – passen. Dass hier auch internationale Einflüsse merkbar sind, erklärt sich auch durch die Erfahrungen, die Österreichs Winzerinnen und Winzer von ihren Auslandsaufenthalten mitgebracht haben. Mittlerweile gehört es ja zum guten Ton in Weinbaubetrieben, dem Nachwuchs Praktika oder Studien in der Weinwelt zu ermöglichen.  noch in den 1980er Jahren erregte es noch große Aufmerksamkeit, wenn Jungwinzer „Dienst in fremdem Haus“ oft weit weg von der Heimat antraten. Ihre Elterngeneration hatte sich über Jahre vorrangig dem Aufbau der Betriebe gewidmet, Weinreisen beschränkten sich eher auf Kurzbesuche europäischer Weinregionen. Seit dem Ende der 1980er Jahre änderte sich das Bild: Internationale Rebsorten wurden auch in Österreich versuchsweise angepflanzt, der Siegeszug von Chardonnay, Cabernet und Co begann. In den Weingärten erhielt die qualitätsorientierte Ertragsbeschränkung mit intensiver Laubarbeit und Ausdünnen der Trauben Priorität, auch erste Pioniere des biologischen und biodynamischen Weinbaus traten auf. Moderne Methoden des Weinausbaus verbreiteten sich, in den Weinkellern wurde verstärkt investiert: Temperaturkontrollierte, computergesteuerte Stahltanks beanspruchten immer mehr Platz neben den traditionellen Holzfässern, gleichzeitig starteten mutige Winzer erste Versuche mit dem Weinausbau im kleinen Holzfass, dem Barrique. Dieser Mix aus Tradition und Technologie wurde zum Standard, und er beeinflusste zusehends den Charakter der Weine – zum Großteil positiv, wie heute erfreulicherweise nachzuvollziehen ist.

Die neue Generation

Interesse an internationalem Know-how, Innovationsfreude und vor allem Wissensdurst und Lerneifer kennzeichnen die neue Winzergeneration. Der Besuch einer renommierten Weinbauschule oder die Absolvierung eines Wein-orientierten Studiums – von Klosterneuburg, Krems oder Silberberg über Geisenheim, Montpellier oder Bordeaux bis zu Davis – ist nichts Außergewöhnliches mehr. Und Platzverschwendung wäre es, die Länder aufzuzählen, in denen praktiziert und geschnuppert wird. Weingartenmanagement, Kellertechnik, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit wurden zum Pflichtprogramm für kontinuierlichen Erfolg. In den meisten Weingütern hat mittlerweile auch eine Veränderung in der Aufgabenverteilung stattgefunden. So mancher – wenn auch an Jahren noch junger – „Senior“ kümmert sich um die Qualitätsbasis in den Weingärten, manche Hofübergabe erfolgte auch so kompromisslos, dass jung gebliebene Pensionisten sich aus dem Weingut komplett zurückgezogen haben und einen neuen Tätigkeitsbereich aufbauten. In vielen Fällen befolgt man aber das Motto „Gemeinsam geht vieles besser“, und es ist zu beobachten, dass die Erfahrung der älteren Generation in Verbindung mit dem Vorwärtsdrängen der Jungen zu spannenden Ergebnissen führt. Gerade dieses Miteinander – der Menschen und Methoden – ist etwas, das Österreich von vielen Weinländern der Welt unterscheidet. Bewusstsein für die Eigenständigkeit der Regionen und die Identität der Weine hat Vorrang vor allzu großer Internationalisierung.

Bodenständige Rebsorten wie der Grüne Veltliner, der Zweigelt oder der Blaufränkisch sind nach wie vor weit verbreitete Leitsorten, deren Charakter und Persönlichkeit hervorgehoben wird. All dies trägt Früchte, kostbar als große Vielfalt an Weinen, vom eleganten, fruchtbetonten Weißwein über gehaltvolle, körperreiche Rotweine bis zu den exzellenten Süßweinen, die in aller Welt geschätzt und gesucht sind.