Die wichtigsten geologischen Baueinheiten

Das Bild zeigt einen Schotte der Ur-Donau in Radlbrunn im Weinviertel.
Schotter der Ur-Donau in Radlbrunn (Weinviertel), © M. Heinrich

Moldanubikum und Moravikum sind tiefe Anteile eines alten Gebirgszuges, der von Mitteleuropa über die Iberische Halbinsel bis in die Appalachen in Nordamerika reicht. Die beiden Einheiten bauen mit ihrem Südende das Waldviertel auf. Entwickelt hat sich das Gebirge im Laufe der sogenannten variszischen Gebirgsbildung vor etwa 360 bis 300 Millionen Jahren am Südrand des „Alten Europa“. Das ehemalige Hochgebirge wurde weitestgehend abgetragen, vom Meer überflutet und Teile davon sind erst in der Erdneuzeit
wieder zu einem Mittelgebirge aufgestiegen. In die heutige, wellig-kuppige Mittelgebirgslandschaft haben sich die Donau und ihre Zuflüsse aus dem Norden tief eingeschnitten. Das Gesteinsinventar ist vielfältig und bunt, die vorherrschenden Gesteine sind Granite, aus ehemaligen Sedimenten oder magmatischen Gesteinen entstandene Gneise (Paragneise – Orthogneise), Amphibolite, die auf vulkanische Aktivität zurückgehen, Granulite, Quarzite und Marmore.

Helvetikum und Klippen der Waschbergzone: Die Gesteine des Helvetikums sind Meeresablagerungen und treten in Wien in Form roter, grüner und grauer, teilweise mergeliger Tone mit dünnen Lagen von Quarzsandstein als Schuppen innerhalb der Flyschgesteine auf. Wie die Gesteine im Bereich der Böhmischen Masse und die hellen, reinen Kalksteine der Klippen der Weinviertler Waschbergzone gehören sie zum Ablagerungsraum des „Alten Europa“, sie wurden aber im Gegensatz zu Moldanubikum und Moravikum in der Erdneuzeit in den Alpenbau einbezogen. Die Gesteine des Penninikums sind Reste eines vergangenen Ozeans, des sogenannten Penninischen Ozeans. Die Flyschgesteine am Nordrand der Kalkalpen in Niederösterreich und Wien setzen sich aus einer charakteristischen, sich oftmals wiederholenden Abfolge von Sandsteinen, Schluff und Tonsteinen oder Mergel zusammen. Sie bildeten sich aus Schlammlawinen, die vom Schelfrand in die Tiefsee flossen. Im Südburgenland treten zum Penninikum gehörige Gesteine in einem tektonischen Fenster auf: es handelt sich dabei um Grünschiefer, die aus Ozeanbodenbasalten entstanden, um Serpentinite, ehemalig Erdmantelgesteine, und um umgewandelte Sedimente des Ozeanbeckens wie Kalkschiefer, Phyllite und Quarzite.


Die Gesteine der Ostalpinen Einheit waren ursprünglich am Nordrand von Afrika beheimatet und bildeten später den Nordrand der Adriatischen Platte. Sie bauen die Nördlichen Kalkalpen (Niederösterreich und Wien) und die Zentralen Ostalpen (Niederösterreich, Burgenland, Steiermark) auf. Die Sedimente und Vulkanite, aus denen die ältesten Gesteine dieser Einheit hervorgegangen sind, sind mehr als 540 Millionen Jahre alt. Es handelt sich um Paragneise, Glimmerschiefer und Amphibolite. Später traten Granite dazu, die zu sogenannten Orthogneisen umgewandelt wurden. Im Erdaltertum folgten sandig-tonige Sedimente mit zwischengeschalteten Basaltlaven und Tuffen, kalkige Riffe, Sande, Kiese sowie Salz- und Gipseinlagerungen. Viele dieser Gesteine wurden später durch Umwandlung in unterschiedlichem Maß deformiert und verändert und liegen heute als Phyllite, Glimmerschiefer, Marmore, Quarzite und Amphibolite vor, in manche drang Gesteinsschmelze aus
dem Erdinneren ein und erstarrte als Granit oder Pegmatit. Die jungen und zuoberst dieser Einheit liegenden Sedimentgesteine des Erdmittelalters wurden in einem Schelf abgelagert, der am Rand des Tethys-Ozeans und später zwischen Tethys und Penninischem Ozean lag. Die Gesteinsabfolge beginnt mit roten Tonsteinen und Sandsteinen, es folgen gebankte Kalke, massige Riffkalke, gebankte Dolomite, Einschaltungen von Sandsteinen und tonigen Sedimenten und wiederum Karbonatgesteine, die in Riffen und Lagunen entstanden aber auch kieselige Kalke und Radiolarite, die sich in tieferen Meeresbereichen bildeten. Beginnend mit den tektonischen Bewegungen am Ausgang des Erdmittelalters kamen die Gesteine der Gosau-Gruppe zur Ablagerung, die aus Sandsteinen, Mergelsteinen, Konglomeraten und mergeligen Kalksteinen bestehen.

Molassezone und inneralpine Becken: Die Molassezone des niederösterreichischen Alpenvorlandes beinhaltet Kiese, Sande und schluffig-tonige Sedimente, die sich in einem Becken vor den herannahenden Decken der Alpen gebildet hatte. Der Großteil der Sedimente entstand als das Becken im Neogen vom sogenannten Paratethys Meer erfüllt war. Sie lagerten sich im tiefen und seichten Wasser, an den Küsten und in Deltas ab. Nachdem sich das Meer zurückgezogen hatte bildeten sich Seen und Flüsse. Das abgelagerte Material stammte zum großen Teil aus den aufsteigenden, vielfach karbonatischen Alpen im Süden und zu einem kleineren
Teil aus den silikatisch dominierten Gesteinen der Böhmischen Masse.

Das Foto zeigt Schluffe und Sande des Pannon See in Gols am Neusiedlersse.
Schluffe und Sande des Pannon See in Gols (Neusiedlersee), © M. Heinrich

Die Geschichte der inneralpinen Becken im Osten Österreichs (Weinviertel, Wien, Burgenland, Steiermark) setzt
etwas später ein und beruht auf einer plattentektonisch begründeten Dehnung Richtung Osten, zeigt aber eine ähnliche Entwicklung von Meeresablagerungen der Paratethys über den Pannon See mit brackischen und Süßwasser-Verhältnissen zur endgültigen Verlandung und zu Flussablagerungen. Die Sedimente umfassen Schutt, Kiese, Sande, Schluffe und Tone mit unterschiedlichen Karbonatgehalten, die aus den angrenzend aufsteigenden Bergen geliefert wurden. In ruhigen Flachmeerbereichen bildete sich Kalkstein, der Leithakalk, der aus Skelettbruchstücken kalkabscheidender Rotalgen besteht. Wo Flüsse ins Meer mündeten, finden wir heute Schotter und Konglomerate, im Beckeninneren Schluffe und Tone, auch Schlier oder Tegel
genannt. Die jüngsten Meeresablagerungen sind etwa 12 Millionen Jahre alt. Im Steirischen Becken waren die Ablagerungen vor etwa 15 Millionen Jahren von einem intensiven Vulkanismus begleitet, Zeugen davon finden sich in Bad Gleichenberg und Weitendorf.

Die erdgeschichtliche Entwicklung im Quartär, der bis heute andauernden, jüngsten geologischen Zeitspanne, ist für alle Weinbaugebiete Österreichs von großer Bedeutung. Der Beginn liegt bei etwa 2,6 Millionen Jahren und das wesentliche Charakteristikum ist der wiederholte Wechsel von Kaltphasen und warmen Zwischeneiszeiten, die letzte Kaltzeit endete mit dem Pleistozän etwa 10.000 vor heute. Die Klimaschwankungen sind für die Formung der Landschaft mit ihren Tälern, Terrassen, Hügeln und Bergen, wie wir sie heute kennen, und auch für die Art der jüngsten Ablagerungen verantwortlich. In der Steiermark kam es zudem vor etwa 2 Millionen Jahren zu einer zweiten Vulkanphase, der die Gesteine von Klöch, Kapfenstein und Riegersburg zu verdanken sind.

Die Weinbaugebiete Österreichs waren in den Kaltphasen nicht vergletschert, aber im Umfeld der Gletscher gelegen, im sogenannten Periglazial, und von Gefrornis, Frost und Vegetationsarmut geprägt. Die Gletscher hobelten große Mengen an Gestein aus dem Gebirge, die als Gerölle von den Schmelzwasserflüssen ins Vorland transportiert und bei abnehmender Schleppkraft abgelagert wurden. Sie bilden die Terrassenkörper, in die sich die Flüsse bei neuerlichem Anschwellen wieder einschnitten und so eine Treppe von alten Talböden mit gegen unten immer jünger werdenden Terrassen bilden, bis zur heutigen Talaue. Wie die Terrassenschotter ist auch der    Löss in den Kaltphasen des Quartärs entstanden. Er besteht aus Gesteinsstaub, der vom Wind aus den vegetationsfreien, trockenen Vorfeldern der Gletscher verblasen und im Vorland, verstärkt an den nach Osten und Südosten gerichteten Hängen, wieder abgelagert wurde. Löss zeigt eine charakteristische mehlig Konsistenz und gelbe Farbe. Er ist immer karbonatisch, allerdings mit wechselndem Verhältnis von Magnesium freiem Kalzit zu Magnesium führendem Dolomit. Typisch sind auch seine Porosität und die gute Standfestigkeit in trockenem Zustand, die die Wände der Hohlwege stehen lässt, deren unbefestigte Sohle sich aber bei starker Durchnässung
durch Erosion immer tiefer und tiefer eingräbt. Nicht überall ist der Löss in der klassischen Form erhalten: war der Untergrund in den Kaltzeiten tiefgründig gefroren, so genügten geringste Neigungen, um oberflächlich aufgetautes, wassergesättigtes Material ins Rutschen zu bringen und in seinem Gefüge zu stören, Verwitterung und mehrfacher Frost-Tau-Wechsel verursachten weitere Veränderungen. Dadurch entstand Lösslehm, das ist entkalkter Löss mit erhöhtem Tonanteil. Im Gelände sieht man sowohl horizontale als auch vertikale Übergänge von Löss und Lösslehm, was die flächige Abgrenzung in den geologischen Karten erschwert.

Für den Weinbau wichtige, ganz junge geologische Prozesse sind die Verwitterung sowie die in Bächen lineare, an Hängen flächige Erosion und Wiederakkumulation. Als Produkte davon finden wir eine Auflockerung und Vergrusung der Festgesteine, Verlehmung von schiefrigen Gesteinen, Hang- und Bachschutt, Schwemmfächer, Fließerden, flächige Hangabschwemmungen und Kolluvium sowie Aulehm und letztlich auf allen Gesteinseinheiten die Bildung des Bodens, der die Reben trägt und ihr zur Verankerung und als Wasser- und Nährstoffreservoir dient. Der Boden ist eine Mixtur aus verwittertem Gestein und organischer Substanz, nebst seinem Gehalt an Wasser und Luft. Die Entstehung eines Bodens beginnt in der Regel an der Oberfläche des Gesteins, das sowohl locker als auch fest sein kann und schreitet im Laufe der Zeit in die Tiefe fort. Die Bodenbildung und ihre Weiterentwicklung vollzieht sich in langen Zeiträumen unter dem Einfluss verschiedener Faktoren, wie Klima, Grundwasser, Oberflächenrelief, Vegetation, Bodenorganismen und menschlichen Nutzungen.