Das Weingesetz

Das Österreichische Weingesetz ist in den Stufenbau des EU-Weinrechts eingegliedert. An oberster Stelle des EU-Weinrechts steht die sogenannte „EU-Weinmarktordnung“, eine Verordnung des Rates der europäischen Landwirtschaftsminister (sie wurde erst im April 2008 neu erlassen). Diese „EU-Weinmarktordnung“ wurde zwar 2009 in die sogenannte „Einheitliche Marktordnung“ integriert; der Einfachheit halber sprechen wir aber weiter von der „Wein- marktordnung“ In dieser EU-Weinmarktordnung sind für alle Mitgliedsländer der EU verbindlich die Grundlagen des Weinrechts geregelt, wie z. B. das System der Auspflanzrechte, die Fördertöpfe und Markteingriffe (Destillationen, Rodung, etc.), die erlaubten önologischen Verfahren, der Schutz der Herkünfte oder das Wein-Bezeichnungsrecht. Die nationalen Weingesetze der Mitgliedsländer – wie eben auch das österreichische Weingesetz 2009 – bilden sozusagen die „Brücke“ zwischen den allgemeinen Regeln der EU-Weinmarktordnung und den spezifischen Gegebenheiten jedes Landes, insbesondere im Bereich der Qualitätsweine und im Bereich der Weinkontrolle.

Das Österreichische Weingesetz 2009 enthält in Ergänzung zu den jeweiligen Regeln der EU-Weinmarktordnung Bestimmungen zu folgenden Themen

•    Herstellung und richtige önologische Behandlung von Wein (Anreichern, Entsäuern, Süßen, Verschneiden, etc. werden geregelt)

•    Definitionen und Bestimmungen zu den verschiedenen Qualitätsstufen (Wein, Wein mit Angabe von Sorte oder Jahrgang, Landwein und Qualitätswein einschließlich der Prädikatsweine wie z.B. Spätlese, Auslese oder Eiswein werden definiert; siehe dazu ausführlicher weiter unten im Text)

•    Welche Herkünfte und welche traditionellen Bezeichnungen dürfen verwendet werden?

•    Regeln über die Kontrolle des Weinsektors (Erntemeldung, Bestandsmeldung, Rebflächenverzeichnis, Weinbaukataster, Banderole, Führung des Kellerbuches, Festlegung der Kompetenzen und Organisation der Bundeskellereiinspektion)

•    Obstwein (Begriffsbestimmungen und Herstellungsvorschriften)

•    Verwaltungstechnische Bestimmungen (z.B. Strafbestimmungen, Regeln zur Förderung der Weinwirtschaft)

Diese Regeln werden in sehr vielen Themenbereichen durch zusätzliche Durchführungsverordnungen des Landwirtschaftsministers ergänzt und spezifiziert; z.B. die Weingesetz-Bezeichnungsverordnung, die Verordnung zur Festlegung der Rebsorten für die Qualitätsweinherstellung oder die Verordnung zur Einrichtung von Branchenorganisationen.

Unter dem Aspekt der Herkunft unterscheidet das neue EU-Weinrecht grundsätzlich zwischen Weinen mit und ohne geografischen Angaben:

Weine mit geschützter geografischer Angabe

Ein Bild zeigt das Logo des PGI

(g.g.A.: engl. PGI=Protected Geografical Indication; frz. IGP = Indication Géographique Protégée; ital. IGP = Indicazione Geografica Protetta).

Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung

Ein Bild zeigt das Logo des PDO

(g.U.: engl. PDO=Protected Designation of Origin, frz. AOP=Appellation d'Origine Protégée, ital. Denominazione di Origine Protetta). Geschützte Ursprungsbezeichnungen und geschützte geografische Angaben werden von den Mitgliedstaaten festgelegt und nach Brüssel gemeldet. Sie sind daher auch durch das EU-Recht garantiert.