Spitze auf breiter Front

In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Nationalrat jene Änderung des AMA Gesetzes mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, die die ÖWM Finanzierung auch zukünftig auf eine solide Basis stellt. Dadurch wird die ÖWM mittelfristig trotz der Kürzungen des Bundesbeitrags wieder die Budgetmittel von 2011 erreichen können. Bis es allerdings so weit ist, stehen uns noch zwei bis drei Sparjahre mit knapp einer Million € weniger ins Haus. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits fließen die Gelder nach dem neuen System deutlich später, andererseits bringt die nicht mehr von der Fläche sondern der Erntemenge berechnete Beitragshöhe eine größere Ernteabhängigkeit, sodass wir zuerst einen Rücklagenpolster aufbauen müssen, um die nötige Liquidität sicherzustellen und zukünftig auch bei kleinen Ernten das Budget aus diesem Topf etwas ausgleichen zu können.

Inzwischen hat sich die Marktsituation für den österreichischen Wein seit 2010 noch einmal stark verändert. Auf der Anbieterseite führt der Strukturwandel zu einer deutlichen Verringerung der Gesamtzahl der Traubenproduzenten und Abfüller, wobei allerdings die Zahl der Betriebe über 30.000 Liter markant steigt. Das bedeutet eine enorme Verschärfung des Wettbewerbs der Betriebe=Marken untereinander, sowohl auf dem Heimmarkt, als auch im Export. Diese Entwicklung dürfen wir jedoch durchaus positiv interpretieren, denn sie bringt auch eine deutliche  Steigerung der Rentabilität, die angesichts der gleichzeitig massiv steigenden Produktionskosten unbedingt nötig ist. Durch die anhaltend geringen Ernteerträge bei steigenden Kosten wird das Preiseinstiegssegment sowohl im österreichischen, als auch im deutschen Lebensmittelhandel und Discount für den österreichischen Wein uninteressant. Die Aufgabe der Weinwirtschaft und der sie unterstützenden ÖWM liegt daher gegenwärtig in der Eroberung von Marktanteilen in höheren Preissegmenten im In- und Ausland. Das Problem dabei ist nur, dass die Rückgänge im Billigsegment rasch in die Millionen Liter gehen, während Volumensgewinne in den höherpreisigen Segmenten erfahrungsgemäß nur  in kleineren Schritten gelingen. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass wir den geringeren Absatz im Billigsegment in Österreich und Deutschland mit konsequenter Arbeit auf vielen Märkten durch wertschöpfungsstarke Zusatzumsätze erfolgreich kompensieren können.  Die Grafiken unserer wichtigsten Exportmärkte in diesem Bericht bestätigen diesen Trend. Im Marketingplan 2014 – 2016 hat die ÖWM ihre Strategie noch viel stärker auf die Erkenntnisse dieser Analyse abgestimmt.

Auch die Weinbaupolitik unterstützt mit ihrer konsequenten Herkunftsstrategie bis hin zu einer parzellengenauen Definition unserer Weinbaurieden den Weg des österreichischen Weins zur internationalen Spitze auf breiter Front. Das ist von entscheidender Bedeutung, denn gerade die hochpreisigsten und besten Weine unseres Landes müssen besonders streng kontrolliert werden, um die Reputation des österreichischen Weins hoch zu halten. Unlängst sagte in New York ein ausgewiesener Experte über den Grünen Veltliner: „Je mehr man für ihn ausgibt, desto besser wird sein Preis-Leistungs-Verhältnis“. Wäre das nicht ein erstrebenswertes Image für den ganzen österreichischen Wein?