Haben wir zu wenig Wein für den Hype?

In Winzerkreisen spricht man derzeit gerne von den „sieben mageren Jahren“, weil es seit 2010, mit Ausnahme des Jahrgangs 2011, nur unterdurchschnittliche Ernteerträge gab. Auch 2016 gab es in manchen Gegenden durch den Spätfrost katastrophale Einbußen. Diese konnten auch durch sehr gute  Erträge in manchen Gebieten Niederösterreichs nicht ausreichend kompensiert werden. Als Folge stiegen Trauben- bzw. Fassweinpreise weiter an, was weitere Erhöhungen bei den Verkaufspreisen und damit auch einen spürbaren Marktanteilsverlust im Preiseinstiegssegment zur Folge hat. Dies macht sich auch in einer Stagnation beim Exportabsatz bemerkbar. Positiv dabei ist, dass durch den Ausstieg aus dem Billigsegment die Rentabilität mit der Kostenentwicklung mithalten kann. Grund zur Sorge bereitet allerdings die Tatsache, dass die Rebfläche vor allem im Burgenland, aber auch in Teilen Niederösterreichs in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist. Die als Ausgleich für die neue Flächenerhebungsmethode (InVeKos) beschlossene Anhebung der Hektarhöchst-ertragsmenge auf 10.000 kg schafft hier keine Abhilfe, da auch die Möglichkeit des Ministers, per Verordnung einzugreifen, wegfällt. Ein gesetzlicher Höchstertrag von 11.000 kg pro Hektar ist aus Marketingsicht für die Sicherung der Rentabilität unserer Betriebe im internationalen Wettbewerb ein Gebot der Stunde.

Ich bin seit Beginn meiner Tätigkeit als ÖWM-Geschäftsführer davon überzeugt, dass ein erfolgreiches Weinland Österreich in Zukunft mehr Wein zu guten Preisen absetzen wird können, als auf den gegenwärtigen Flächen produziert werden kann. Es wäre daher wichtig, dass wir alles tun, um auf den besten derzeit brachliegenden Flächen, die in der Vergangenheit verloren gingen, Neuauspflanzungen zu forcieren. Legistisch schwierige Änderungen im Bereich der Weinbaufluren sollten nach eingehender Eignungsprüfung der jeweiligen Flächen kein unüberwindliches Hindernis sein. Die Deckelung des möglichen Zuwachses mit 1 % der Gesamtrebfläche verhindert ohnehin eine inflationäre Entwicklung. In einem dynamischen und offensiven Weinland wäre es somit enttäuschend, wenn dieser geringe Zuwachs nicht in Anspruch genommen werden sollte. Wir brauchen wieder frischen Optimismus zur Offensive!

Unser Optimismus ist nicht grundlos. Der weitere Umsatzzuwachs um 10 % auf Drittlandsmärkten im letzten Jahr ist ein eindrucksvoller Beweis für die Sinnhaftigkeit des EU-Absatzförderprogramms für Drittlandsmärkte, welches die ÖWM seit 2009 in Anspruch nimmt. Aber auch in Europa und im Inland steigen unsere Marktanteile im rentablen Segment. Die ÖWM wird in Zukunft bei Messen und Events mit Winzerbeteiligung noch selektiver vorgehen und deren Zahl in einem für die export-orientierten Betriebe vernünftigen Rahmen halten. Eine genaue Marktsegmentierung ermöglicht eine maßgeschneiderte Aktivitätenplanung sowohl für vertretene Betriebe als auch für Neueinsteiger. Die internationale Herausforderung wird eine noch effizientere Kommunikation mit dem Ziel der Steigerung des Bekanntheitsgrades und der Attraktivität der Marke Österreich Wein sein. Daher wurde in den letzten zwei Jahren ihr Markenkern neu definiert und dadurch die Basis für eine neue Werbekampagne mit dem Slogan: „Österreich Wein. Große Kunst. Ohne -Allüren.“ geschaffen, die Anfang 2017 mit den ersten Sujets startet und schrittweise dem gesamten Markenauftritt ein neues Gesicht geben soll.

Mag. Wilhelm Klinger
ÖWM Geschäftsführer