Mehr als Urgestein und Löss

3. Juni 2014 - Steile Hänge, Täler, sanfte Hügel, Terrassen und spezifische Lagen der österreichischen Weinbaugebiete gehören zum sichtbaren Charme der heimischen Weinlandschaften. Versteckt unter den Böden liegen die Gesteine, die meist nicht sichtbar, aber von großer Bedeutung für die Winzer sind, da sie die Auswahl von Rebsorte und Weingartenarbeit maßgeblich beeinflussen. Dr. Maria Heinrich, Geologin der Geologischen Bundesanstalt, befasst sich seit Jahren mit der Geologie der heimischen Weinbaugebiete und hat die wichtigsten Punkte für das neue Geologie-Kapitel der ÖWM-Schulungsunterlage zusammengefasst.

Das Bild zeigt die geologischen Einheiten Österreichs.
Geologische Übersicht Österreichs, © ÖWM

Die Gesteine, die das Ausgangsmaterial der Böden bilden, aber auch die heutige Landschaft und unser Klima sind Produkte der erdgeschichtlichen Entwicklung. Sie ist Gegenstand der geologischen Forschung und darin begründete praktische Auswirkungen rücken die Geologie immer mehr ins allgemeine Bewusstsein, auch der Wein-Community. Die Gesteine bestimmen wie tief eine Rebe ihre Wurzeln ausstrecken kann, um Wasser zu finden, ob der Boden steinig, sandig oder lehmig ist, ob er zu heller oder dunkler Farbe neigt, ob er langfristig Wärme, Luft und Wasser speichern kann, ob aktive Tonminerale vorhanden sind, die den Austausch der anorganischen Nährstoffe beschleunigen und ob der Boden von Natur aus kalkfrei oder kalkhaltig ist.

Weingärten statt Meeresbuchten

Unterschiedlich harte Gesteine, der Verlauf von tektonischen Grenzflächen sowie großräumige Hebungen und Senkungen wirken sich auf das Landschaftsbild der Weinbaugebiete aus und begründen durch die jeweilige Höhenlage, Ausrichtung und Neigung das Relief der Lagen und damit das lokale Klima der Rieden. Dass und wo sich Österreich im nördlichen Weinbaugürtel der Erde befindet, geht schließlich auf plattentektonische Verschiebungen der Erdkruste und damit einher gehenden Veränderungen von Ozeanen und Kontinenten zurück. Diesen Verschiebungen ist auch die Entstehung von Gebirgen zu verdanken und dass die Niederungen im Osten des Landes heute nicht mehr von Meer erfüllt sind sondern vielfältigen Kulturlandschaften Platz bieten.
Während die großen Gesteinseinheiten Österreich im Wesentlichen der Länge nach durchstreichen, ziehen die Weinbaugebiete im Osten des Landes einen Bogen und treffen so nahezu auf alle geologischen Großeinheiten. Das macht die österreichischen Weinlandschaften so vielfältig und zugleich einzigartig und interessant.

Locker oder fest, das ist die Frage

Etwa 70 Prozent der heimischen Weingärten stehen auf Lockergesteins-Böden, etwa 30 Prozent auf Böden, die sich aus Festgesteinen entwickelt haben. Beide Gruppen umfassen nach Gefüge und Zusammensetzung der chemischen und mineralogischen Bestandteile sehr unterschiedliche Gesteine. Unter den Festgesteinen finden sich saure Granite, Gneise, Schiefer und Quarzite, basische Amphibolite, Serpentinite und Basalte, aber auch Marmore und Kalkstein, Konglomerate, Sandsteine und vulkanische Tuffe. Unter den Lockergesteinen dominieren der immer kalkige Löss, sandige Kiese und Schotter aus Flussterrassen sowie sandige und tonige Schluffe als Reste einer großen Seenlandschaft in Gefolge des Meeresrückzuges vor etwa 11 Millionen Jahren. 

Das gesamte Kapitel „Wein & Geologie“ finden Sie in der ÖWM Schulungsunterlage auf den Seiten 10-15.

Weitere Informationen

Dr. Maria Heinrich
Geologische Bundesanstalt FA Rohstoffgeologie
1030 Wien, Neulinggasse 38
Tel.: +43 1 712 56 74 310
maria.heinrich@geologie.ac.at
www.geologie.ac.at

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