2008 - das Weinjahr der Gegensätze

15. November 2008 - Vergleicht man das heurige Weinjahr mit dem vergangenen, so findet man viele Übereinstimmungen. Doch genauso gibt es zahlreiche Gegensätze zum Vorjahr. Gleich waren der gute Blüteverlauf, wie auch die Witterung über weite Teile. Für deutliche Unterschiede sorgten manche Wetterkapriolen, die letztendlich auch die Lesezeitpunkte in den einzelnen Weinbaugebieten beeinflussten. Generell ist die Lese in der letzten Oktoberwoche abgeschlossen, für Prädikatsweine kann sie noch bis in den Dezember andauern.

Dieses Bild zeigt den Leithaberg
© ÖWM

Gute und qualitätsorientierte Weingartenarbeit machte sich heuer mehr als bezahlt, konnten doch dadurch die Trauben ungeachtet des heurigen Fäulnisdrucks gesund erhalten werden. So konnte man durchaus Ruhe bewahren und das gute Wetter im Oktober abwarten, um reife und gesunde Trauben in den Keller zu bringen. Sortentypische Fruchtigkeit paart sich heuer mit einem kernigen Säuregerüst, und einem angenehmen, nicht zu hohen Alkoholgehalt. Auch die Menge wird deutlich höher ausfallen als im Vorjahr, obwohl bereits letztes Jahr die Ernte über dem Durchschnitt lag.

Der Wetterverlauf 2008

Das Jahr begann mit wenig Schnee und einem milden Winter - die Steiermark verzeichnete sogar den drittwärmsten Jänner seit Beginn der Aufzeichnungen 1931. Auch im Februar lagen die Lufttemperaturen knapp 3°C über den Durchschnittswerten, im Burgenland sogar über mehr als 3,5°C. In der Steiermark wurden zu Monatsende sogar über 20°C gemessen. Der März begann und endete warm, um die Osterzeit in der zweiten Monatshälfte gab es jedoch einen Winterrückfall, die Niederschlagsmengen waren durchschnittlich bis leicht erhöht. Auch der April verlief temperaturmäßig ohne Besonderheiten. Die Niederschläge waren in den Weinbaugebieten unterschiedlich, besonders ein erstes heftiges Unwetter im Kremser Raum am 22. April brachte dort mehr als das doppelte Wassermenge auf den Boden, ansonsten war es eher zu trocken.

Der Mai war im Westen Österreichs übernormal warm, in den Weinbaugebieten war die Temperatur allerdings mit 0,5 bis 1,5 Grad nur leicht erhöht. Dazu kam der rasche Wechsel eines Kaltlufteinbruchs um den 20 Mai mit einer frühsommerlichen Hitzewelle - in Graz wurden zu Monatsende 34,9 °C gemessen. Die Niederschläge waren durchschnittlich, eher zu karg, die Sonne schien öfter als gewohnt. Der Juni zeichnete sich nicht nur durch einen Temperatursturz und nachfolgender Hitze aus, die Niederschläge prägten bereits das Weinjahr. Bis zu 300% über dem Durchschnitt im Gebiet südlich von Wien, in der Südsteiermark kam doppelt so viel vom Himmel wie sonst. Die Sonne schien aber eher weniger. Der Juli war durch zahlreiche Gewitter sehr feucht, Eisenstadt kam fast auf die dreifache Niederschlagsmenge. Leider waren dabei in allen Gebieten auch viele Hagelschauer zu verzeichnen.

Auch der August sparte nicht mit Niederschlägen, die Temperaturen blieben durchschnittlich, mit einem häufigen Wechsel warmer und kühler Tage.
Der September war eher kühl, ein markanter Kaltlufteinbruch ab dem 13. September brachte einen Temperatursturz um 10 - 15°C. Dazu kamen kurzzeitig reichliche Niederschläge, auch wenn die Gesamtsumme nur durchschnittliche Werte ausweist.
Der Oktober verlief relativ freundlich bis kühl mit vereinzelten Regenfällen, wobei in manchen Gebieten lang anhaltender Nebel zu verzeichnen war.

Das Vegetations- und Erntejahr

Der milde Witterungsverlauf sorgte für einen guten und eher frühen Austrieb, ab Mitte April setzte eine schnelle und gleichmäßige Rebenentwicklung ein. Die Blüte im Juni war heuer durch gute Witterung begünstigt, und so waren die Erwartungen groß - vorerst. Denn schon kurz danach sorgten erste Hagelschläge für eine erste natürliche Ertragsbegrenzung und drückten dem Jahrgang den ersten Stempel auf.

Hagel und viel Feuchtigkeit

Diese beiden Worte kennzeichnen für die Winzerschaft den heurigen Jahrgang, wenn sie an die notwendig gewesene Arbeit im Weingarten denkt. Hagelschläge sowohl in der frühen als auch späten Wachstums- und Reifephase sorgten für Beeinträchtigungen, wobei frühe Schäden durch die Rebe zu einem großen Teil im weiteren Verlauf ausgeglichen wurden.

Die Feuchtigkeit brachte zwar eine gute Rebenversorgung, aber auch einen hohen Krankheitsdruck für Echten und Falschen Mehltau. Das war der Prüfstein für die Qualität der Weingartenarbeit. Hier zeigte sich, wer seine Hausaufgaben im Weingarten gemacht hatte. Bei guter Vorsorge konnten die Probleme gelöst bzw. vermieden werden. Außerdem war dann ein Zuwarten möglich, um eine entsprechende Traubenreife zu erhalten. Für manche biologisch-dynamisch arbeitende Betriebe war der extrem hohe Druck jedoch unbeherrschbar, es mussten schmerzhafte Ertragseinbußen hingenommen werden.

Immer wieder waren den Sommer über gewitterbedingt Hagelschläge hinzunehmen. Je nach Temperatur kam es dann zu höherem Infektionsdruck oder einem Eintrocknen der geschädigten Beeren.

Reife und Lesezeitpunkt

Mit dem Weichwerden der Beeren Mitte August stellte sich der Anfang der Reife ein. Durch die Feuchtigkeit kam es zu einer guten Rebversorgung, sodass die Mostinhaltsstoffe heuer sehr gute Voraussetzungen für die Gärung brachten. Auf Grund des eher kühlen Witterungsverlaufes im September und Oktober war aber nur eine sehr schleppende Zunahme an Reife und Gradation zu verzeichnen. Das beeinflusste auch die regionalen Lesezeitpunkte.

Große Fäulnisprobleme waren nur dort zu verzeichnen, wo die Weingartenarbeit nachlässig ausgeführt wurde. Bei sorgsam ausgeführten Schnitt- und Pflanzenschutzmaßnahmen fiel die Leseentscheidung auf Grund der Reife und nicht der Fäulnis.

Während im Burgenland, vornehmlich im Seewinkel, bereits in den ersten Oktobertagen die Lese beendet war, im Weinviertel zum Staatsfeiertag die letzten Trauben abgeschnitten wurden, hatte zu diesem Zeitpunkt die Lese in der Wachau für die höheren Qualitätsstufen noch gar nicht richtig begonnen.

Wer die Nerven behielt und eine weitere physiologische Reife abwartete - wenn dies auch vom Traubenzustand her möglich war - hatte nach dem kühlen September einen relativ schönen Oktober zur Verfügung, um die Lese abzuschließen.

In manchen Gebieten brachte allerdings lange anhaltender Nebel bei warmem Wetter Gefahr für Botrytis. Zusätzliche Arbeit war oft nötig, um geschädigte Trauben herauszulesen, bzw. auszusortieren.
Selektion im Weingarten oder bei der Traubenübernahme war heuer wichtig. Ebenso musste bei der weiteren Verarbeitung speziell darauf eingegangen werden, da beispielsweise höhere Phenolgehalte korrigiert werden müssen. Auch das heurige Säureniveau wird teilweise noch einer önologischen Korrektur bedürfen.

Die Jahrgangsbeurteilungen

Steiermark

Die Steiermark kam dieses Jahr wettermäßig mit einem blauen Auge davon. Die Hagelschläge sowohl zur Blütezeit als auch Ende des Sommers konnte die Natur teilweise wieder ausgleichen. So wird insgesamt von einer Erntemenge die dem Vorjahr entspricht, zu rechnen sein.

Auch von den ausgedehnten Regenfällen, wie in Niederösterreich bekam die Steiermark nur einen markanten Guss Mitte September ab. Dadurch konnte insgesamt mit der Lese zugewartet, und somit eine gute Reife erzielt werden. Gute Fruchtigkeit, schöne Säure und zufriedenstellende Gradationen werden für einen Jahrgangscharakter sorgen, der auch vom Alkohol her nicht wirklich schwächer ausfallen wird. "Perfekte Reife, perfekte Säure, schöne Fruchtigkeit" beschreibt ein Winzer den heurigen Jahrgang.

Wien

Viel Arbeit war heuer nötig, um gutes Traubenmaterial zu bekommen! Dafür erfreut die Winzer eine gute Sortencharakteristik der Weine. Fruchtigkeit und eine kernige Säurestruktur, gepaart mit nicht zu hohem Alkohol sind Faktoren, die bei den Konsumenten, beim Heurigen und in der Gastronomie gut ankommen werden.

Niederösterreich

Hätte man gewusst wie der schön der Oktober wird, hätte man manchmal mit der Lese noch zuwarten können. So ging man oft auf Nummer sicher, oder musste aufgrund der Traubengesundheit zeitgerecht ernten. Die Feuchtigkeit sorgte für eine größere Entemenge, trotz der erlittenen Schäden. Weite Teile Niederösterreichs hatten im September mit einem besonderen Problem zu kämpfen. Nebel der bis weit über Mittag anhielt, verbunden mit relativ angenehmen Temperaturen um die 20°C. Dies führte dazu dass Botrytis oft über Nacht entstand, was dann schnellstes Reagieren notwendig machte. Ansonsten hatte der kühle September und Oktober keine starke Gradationserhöhung gebracht, da das Laub keine Leistung mehr brachte.

Damit steht heuer eine gute Fruchtigkeit, angenehmer Alkohol und ein markantes Säuregerüst im Vordergrund, auf das im Keller noch einzugehen sein wird. Wer seine Hausaufgaben im Weingarten gemacht hatte, konnte sich aber den Lesetermin aussuchen, um schöne und gut ausgereifte Trauben einzubringen.

Burgenland

Ab Ende Mai begannen die Niederschläge, die viel Laubarbeit nötig machten um Fäulnis zu vermeiden. Der riesige Hagelschlag am 7. Juli ist vielleicht noch in besonderer Erinnerung. Gute Arbeit wird aber dieses Jahr belohnt mit schöner frischer Frucht und einer angenehmen Säure. Die Rotweine sind gut gedeckt, die Blaufränkischen mit einer ausgeprägten Frucht und Würze. Auch Zweigelt und Pinot Noir präsentieren sich markant und fruchtbetont. Der moderate Alkoholgehalt wird den Jahrgang leicht trinkbar machen, und die höhere Erntemenge auch für eine entsprechende Verfügbarkeit der Weine sorgen.

Die Erntemenge

Die letzte Vorschätzung der Statistik Austria von Ende Oktober geht von einer Gesamterntemenge von knapp über 2,8 Mio hl aus. Der langjährige Durchschnitt (2003-2007) der heimischen Weinernte liegt bei ca. 2,5 Mio hl.

Presseinformation

Österreich Wein Marketing GmbH

Gabriele Burian
Diplom Sommelière
Bereichsleitung Kommunikation

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