Das Weinjahr und der Jahrgang 2002

16. Dezember 2002 - (ÖWM) - Eher unspektakulär war der Start des an Überraschungen so reichen Weinjahrganges 2002: Auf einen milden und ziemlich trockenen Winter folgte ein freundlicher und ebenso trockener Frühling, der bereits in den Monaten März und April zahlreiche sonnige Tage zu bieten hatte. Daraus ergab sich ein früher Austrieb und Ende Mai eine problemlose Blüteperiode.

Weinglas in der Hand
Weinverkostung, © ÖWM

Nach einigen sehr heißen Junitagen – es sollten die wärmsten des ganzen Jahres bleiben – sorgte ein abwechslungsreicher, im Großen und Ganzen aber warmer und von Gewitterregen durchsetzter Juli für einen Reifevorsprung, der den Hitzejahrgang 2000 noch in den Schatten zu stellen schien. Im August folgte durch die bekannten Hochwasserkatastrophen ein empfindlicher Umschwung:
Das Resultat war in nahezu allen österreichischen Weinbaugegenden plötzlich auftretender Fäulnisdruck, dem in den Weingärten unmittelbar begegnet werden musste. Darüber hinaus haben die unglaublichen Wassermengen der zweiten und dritten Augustwoche in den Weinbergen der Gebiete Wachau, Kamptal und Kremstal teilweise verheerende Schäden angerichtet.

Der September verlief feucht und abwechslungsreich, wobei die Niederschlagsmengen recht ungleich verteilt waren. Während es etwa in Mittel- und Südburgenland recht schön blieb, hatten beispielsweise das Donauland und Wien mit viel Feuchtigkeit zu kämpfen. Der Oktober war nach schönem Beginn erneut sehr regenreich, sodass sich die Weinlese – abgesehen von den idealen Rotweinstandorten rund um den Neusiedlersee und im Steinfeld – bis Mitte November hinzog. Generell betrachtet ergab sich eine Ernteperiode von rekordverdächtiger Länge.

Die Weinqualitäten nach all diesen Wetterkapriolen können durchaus erfreuliche Ergebnisse aufweisen. Für die Qualitätsweinproduzenten ist ein guter bis ausgezeichneter Weingang entstanden, dessen Gesamtbewertung in den beliebten Jahrgangstabellen auf „sehr gut“ lauten könnte.

Ebenso überraschend wie selten ist der Umstand, dass sich diese Prognose auf alle drei Standbeine des Österreichischen Weines bezieht, also sowohl auf die trockenen und süßen Weißweine als auch auf die roten Gewächse. Voraussetzung für derart günstige Ergebnisse waren freilich mehrere penible Vorlesen in den Weingärten, wo sämtliche von Fäulnis befallenen und essigstichigen Beeren und Trauben schon ab Ende Juli radikal entfernt werden mussten. Die Folge waren naturgemäß entsprechende Ernteverluste.

Die Weißweine erscheinen hoch im zuckerfreien Extrakt, jedenfalls höher als die sehr unterschiedlich gearteten Vorgängerjahre 2001 und 2000 und dies bei einer durchaus frischen und rassigen Säurestruktur, die an 1999 und 2001 erinnert. Frucht- und Sortentypizität kommen schon im frühen Stadium sehr gut zum Ausdruck, wie es die in ihrer pfeffrigen Würze besonders typischen Veltliner aus dem niederösterreichischen Weinbaugebieten entlang der Donau belegen. Auch Riesling und Chardonnay entzücken in der Spitzenkategorie verwöhnte Gaumen, während sich die Sauvignons vielfach zurückhaltend und undeutlich geben. Alles in allem sollte der Jahrgang für Weißweine zwischen 1999 und 2002 zu positionieren sein, wobei nichts gegen eine zumindest mittelfristige Lagerung spricht. Auffallend gute Resultate hat der Jahrgang 2002 speziell für die Weinbaugebiete Weinviertel und Thermenregion erbracht, wo er taxfrei als „ausgezeichnet“ bewertet werden kann.

Aufgrund der frühen Botrytisbildung wird es auch eine ansehnliche Menge an Süßweinen geben, für die eine endgültige Beurteilung freilich noch zu früh kommt.

Auf einem neuerlichen Höhepunkt dürfen sich schließlich die Liebhaber der roten Essenzen aus Österreichs Weinlandschaft freuen, da das Niveau auf breiter Front jenes der Jahrgänge 1999 und 2000 erreichen wird, ja bei einzelnen Spitzen sogar übertreffen könnte. Die Rotweine sind durchwegs gut gedeckt in der Farbe und schon im Frühstadium von intensiver Frucht – bei eher weicher Tanninstruktur – geprägt. Speziell die Blaufränkischen aus dem Mittel- und Südburgenland sind äußerst markant und fruchttief geraten, aber auch für Blauburgunder, Sankt Laurent und Merlot kündigt sich ein mehr als zufrieden stellender Jahrgang an, der vor allem durch Balance und Geschmeidigkeit charakterisiert ist.

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Österreich Wein Marketing GmbH

Gabriele Burian
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